21.11.2017

Neue Schätze aus Tutanchamuns Grab wiederentdeckt

Tut-Entdecker Howard Carter verstaute sie 1922 in einer Kiste, nun holten sie Archäologen wieder hervor: 100 Goldbleche mit überraschenden Verbindungen nach Vorderasien.

 

In jahrelanger Kleinarbeit haben Tübingen Archäologen und Restauratoren des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz 100 annähernd vollständige Goldbleche zusammengesetzt, die aus dem Grab des Pharaos Tutanchamun stammen.

 

Vermutlich schmückten die Beschläge einst Bogenkästen, Pfeilköcher und Zaumzeug. Die Darstellungen darauf folgten offenbar einem »internationalen« Geschmack der Zeit: Neben rein ägyptischen Abbildungen fanden die Forscher auch solche, die eher für den Vorderen Orient typisch sind.

 

Dazu zählen Darstellungen von Tierkämpfen und Ziegen am Lebensbaum. „Vermutlich gelangten diese Motive, die einstmals in Mesopotamien entwickelt wurden, über Syrien in den Mittelmeerraum und nach Ägypten", erklärt Peter Pfälzner von der Universität Tübingen, der an der Untersuchung beteiligt war. „Dies zeigt erneut die große Rolle, die das alte Syrien für die Kulturvermittlung in der Bronzezeit spielte."

 

Gefunden wurden die Beschläge noch von Howard Carter selbst. Das Team des berühmten Tutanchamun-Entdeckers fotografierte die Bleche unmittelbar nach der Entnahme und verstaute sie unrestauriert in einer Kiste, in der sie jetzt die Wissenschaftler in all den Jahren unangetastet wiederfanden.

 

Ähnliche Goldbleche mit thematisch vergleichbaren Darstellungen haben die Forscher laut ihrer Pressemitteilung auch in der Gruft der syrischen Königsstadt Qaṭna gefunden. Dort hatte ein Archäologenteam unter Pfälzners Leitung im Jahr 2002 ein unangetastetes Königsgrab entdeckt. Es ist nur wenig älter als das des Tutanchamun. Die Forscher stellten sich daraufhin die Frage, ob die Ähnlichkeit mehr als nur Zufall ist. Wie waren die fremden Motive auf den Goldblechen nach Ägypten gelangt? Chemische Analysen zeigten, dass die Goldbleche mit ägyptischen Motiven und die mit fremden Motiven aus unterschiedlich zusammengesetztem Goldmaterial hergestellt wurden. Womöglich wurden die fremdartigen Stücke importiert - oder lokale Werkstätten spezialisierten sich auf die Produktion eines der beiden Stile und benutzen dabei ihre eigene Materialquelle.

 

Die Bleche werden derzeit in einer Sonderausstellung des Ägyptischen Museum in Kairo ausgestellt und künftig im neuen Grand Egyptian Museum nahe den Pyramiden von Gizeh gezeigt.

 

Quelle: Jan Dönges für Spektrum der Wissenschaft

Foto: RGZM, DAI Kairo und Universität Tübingen

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