19.08.2019

Extreme Kindersterblichkeit in der »Ebene der Tonkrüge«

In der laotischen Provinz Xieng Khouang befindet sich nahe der Provinzhauptstadt Phonsavan die »Ebene der Tonkrüge«. In der Umgebung von Phonsavan gibt es drei Ebenen, auf denen Hunderte jahrtausendealte Sandsteinkrüge verstreut herumliegen. Archäologen deuteten diese riesigen Krüge als Vorratsbehälter für Wein oder Reis, heute weiß man, dass sie als Grabbehältnisse dienten.

 

Die Steingefäße variieren in der Größe von einem halben bis zu drei Metern und bestehen aus Sandstein, nicht aus Ton, allerdings hat sich die Bezeichnung eingebürgert. Das Alter der Krüge wird auf 1.500 bis 2.000 Jahre geschätzt. Ihr Gewicht beträgt bis zu 6.000 Kilogramm. Einige von ihnen sind mit Darstellungen von Menschen, Tiger und Affen verziert, die große Ähnlichkeit mit Funden aus einer etwa 1.000 Kilometer entfernten Region in Indien haben.

Archäologen der Australian National University (ANU) in Canberra hatten im Februar 2016 eine fünfwöchige Ausgrabung gestartet und stießen dort auf einer von insgesamt 90 Stätten erstmals auf menschliche Überreste, die zwischen den riesenhaften Steinkrügen begraben lagen und mit rund 2.500 Jahren auf das selbe Alter wie die Tonkrüge datiert werden.

 

Diese zeitliche Übereinstimmung und die Tatsache, dass die Toten größtenteils erst nach dem Verwesungsprozess dort bestattet zu sein scheinen, sahen die Forscher als Indiz dafür an, dass die rätselhaften Riesenkrüge zumindest an dieser Stätte für die Vorbereitung der Toten genutzt worden sein könnten. Man könnte die Krüge dazu verwendet haben, die Leichen darin verwesen zu lassen, bis nur noch die Knochen übrigblieben, die anschließend um die Steingefäße herum bestattet wurden. Dabei gab es scheinbar drei völlig unterschiedliche Bestattungsarten: Entweder die Überreste wurden begraben und mit einer großen Kalksteinplatte abgedeckt, in Keramikgefäße gelegt, bevor sie eingegraben wurden oder der Leichnam wurde völlig unversehrt in ein Grab gelegt.

 

Nun hat ein Archäologenteam um Louise Shewan von der University of Melbourne die Stätte Nr. 1 in Bang Ang genauer untersucht und dabei festgestellt, dass die Gräber eine überraschend hohe Anzahl an Überreste toter Säuglinge beherbergen, was auf eine überdurchschnittlich häufige Kindersterblichkeit hinweist. Wie die Forscher im Fachjournal Antiquity schreiben, handelt es sich bei über 60 Prozent der 18 dokumentierten Toten um Säuglinge oder Kinder, von denen fast die Hälfte im fötalen Stadium oder im frühen Kindesalter gestorben waren. Bei vier dieser Individuen konnte zudem eine Zahnschmelzhypoplasie diagnostiziert werden, ein Hinweis auf Wachstumsstörungen, die möglicherweise auf eine mangelhafte Ernährung oder Krankheit zurückzuführen sind.

 

© Fernando Calvo*, Foto: ANU

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