06.01.2018

Mesoamerikanisches Modell des Universums entdeckt

Archäologen unter der Leitung des mexikanischen Instituto Nacional de Antropología e Historia (INAH) haben in einem Teich am Fuße des mexikanischen Vulkans Iztaccíhuatl ein 1.000 Jahre altes mesoamerikanisches Heiligtum entdeckt, das vermutlich ein Miniaturmodell des mythischen Universum darstellen soll, wie ihn sich seine Erbauer vorgestellt haben.

 

Der sogenannte »Tetzacualco« (der Name bedeutet so viel wie »Steineinfriedung«) befindet sich in der archäologischen Stätte Nahualac, nahe der mexikanischen Gemeinde Amecameca, 3.870 m über dem Meeresspiegel in einem Teich. Insgesamt deckt die Stätte eine Fläche von etwa 300 mal 100 Metern ab. Tetzacualco ist eigentlich auch schon seit dem 16. Jahrhundert bekannt und seitdem haben bereits zahlreiche Amateurforscher als auch professionelle Archäologen die Struktur untersucht und eine Vielzahl von Theorien entwickelt, welchen Zweck die seltsame Struktur gehabt haben könnte und wann sie gebaut wurde.

Wenn der Wasserstand im Teich sinkt, kann man Tetzacualco sehen.
Wenn der Wasserstand im Teich sinkt, kann man Tetzacualco sehen.

Neuere Ausgrabungen und die bisher gründlichste Untersuchung von Nahualac haben nun zahlreiche interessante Funde zu Tage befördert. Unter der Leitung der Archäologin Iris del Rocío Hernández Bautista vom INAH wurden Keramikartefakte, Edelsteine und sogar organische Überreste entdeckt, die über 1.000 Jahre alt sind. Das Team fand auch Beweise dafür, dass die alten Mesoamerikaner versucht haben, den Teich, in dem sich der Tetzacualco befindet, künstlich zu bewässern, um sicherzustellen, dass sein Wasser niemals versiegt, selbst dann nicht, wenn es nur wenig Regen gab. Um dies zu gewährleisten, leiteten die nicht identifizierten Erbauer sogar vorsätzlich zwei Wasserquellen um.

 

Nahualac ist in zwei Bereiche eingeteilt. Der erste und wichtigste Teil ist der Teich aus prähispanischer Zeit in dem der rechteckige Tetzacualco, aus zahlreichen Steinen ohne jeglichen Zement errichtet wurde und eine Fläche von ca. 11,5  x  9,8 Metern bedeckt. Der zweite Bereich befindet sich 150 Meter südöstlich der Struktur, in einem breiten Tal, in dem Quellen entspringen. Dort wurden auch die Keramikstücke aus der Coyotlatelco-Kultur (750-900 n. Chr.), aus Mazapa (850 bis 900 n. Chr.) sowie aus Tula (900-1150 n. Chr) gefunden, von denen einige dekorativen Elemente enthielten, die mit Tlaloc, der Gottheit des Regens, in Verbindung gebracht werden.

Der Teich in Nahualac.
Der Teich in Nahualac.

Laut INAH ist der Tetzacualco aus unterschiedlich großen Steinen errichtet worden und könnte als Miniaturmodell des Universums gedient haben, da die Steinanordnung mit der Galaxien- und Sternenkonstellation übereinstimmt. Denn einige mesoamerikanische Mythen über die Erschaffung der Welt weisen darauf hin, dass Cipactli (das Monster der Erde) über den Urwässern schwebte und aus seinem Körper Himmel und Erde erschaffen wurde. Demnach könnte Nahualac als Modell dieser Ideologie errichtet worden sein, da die Existenz des Tetzacualco (anbetend) in der Mitte eines natürlichen Teiches und die optische Täuschung beim Blick auf das Heiligtum, die den Eindruck erweckt, als ob sich die Steine nicht auf dem Teichgrund, sondern auf der Oberfläche befinden würden, darauf hindeuten, dass der Ort die Darstellung einer urzeitlichen Raumzeit, ein Miniaturmodell  des Universums, darstellt.

 

Die an  der Studie beteiligten Archäologen kommen zu dem Schluss, dass nach den Ergebnissen dieser ersten Erkundungen und der laufenden Untersuchungen anzunehmen ist, dass Nahualac die Darstellung eines rituellen Raumes ist, in dem offensichtlich Tlaloc als einer der ältesten und wichtigsten Gottheiten des präkolumbischen Mesoamerikas gehuldigt wurde, wenn auch nicht ausschließlich, da er auch mit den weiblichen Wesenheiten des Wassers und der Erde in Beziehung steht.

 

© Fernando Calvo*, Fotos: SAS-INAH

 

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