14.10.2016

Neue Funde rütteln an Geschichte der Terrakotta-Armee

Neue bahnbrechende archäologische Entdeckungen zeigen, dass China und der Westen schon über ein Jahrtausend vor Marco Polos Ankunft in Kontakt standen und die Grabstätte Qin Shihuangdis mit seiner vorgelagerten Terrakotta-Armee fast doppelt so groß ist, wie ursprünglich angenommen.

 

Die Terrakotta-Armee in China ist weltweit bekannt. Sie wurde 1974 entdeckt und bewacht das Grab von Qin Shihuangdi, dem ersten Kaiser des Landes. Seither haben Archäologen und Wissenschaftler die Stätte genauer unter die Lupe genommen, aber vieles blieb ein Rätsel. Jüngste Ausgrabungen haben jedoch neue Erkenntnisse zu Tage gefördert, die die Vermutung nahelegen, dass China schon vor Marco Polo in Kontakt mit der westlichen Welt stand. In der Dokumentation »Chinas geheimnisvolles Kaisergrab« decken der bekannte Forscher und Explorer Dr. Albert Lin und der National Geographic Channel die Geheimnisse auf, die Chinas Geschichte neu schreiben könnten.

 

Kontakt zwischen Ost und West

Vor der Fertigstellung von Qin Shihuangdis Grab war es in China nicht üblich, lebensgroße menschliche Statuen zu errichten. Alle bis dahin bekannten Plastiken sind 20 Zentimeter große, einfache Figuren. Bislang war es daher ein Rätsel, wo die Terrakotta-Armee herkommt und wer sie gebaut hat. Dr. Li Xiuzhen, Archäologe im Museum der Grabstätte, glaubt, dass eine so große plötzliche Stilveränderung nur durch Einflüsse von außerhalb Chinas zu erklären ist.

 

Gestützt wird diese Vermutung durch Prof. Dr. Lukas Nickel, Vorsitzender der Abteilung asiatische Kunstgeschichte an der Universität Wien. Statuen von Zirkusakrobaten und bronzene Vogel-Figuren an der Grabstätte lassen ebenfalls darauf schließen, dass es 1.500 Jahre vor Marco Polo bereits einen Austausch zwischen der chinesischen Bevölkerung im Osten und den Griechen im Westen gab. Die Fertigungsart ist sehr ungewöhnlich für das China dieser Zeit und ähnelt Techniken aus dem alten Griechenland und Ägypten. „Ich kann mir vorstellen, dass ein griechischer Bildhauer vor Ort war und die Einheimischen geschult hat", erklärt Nickel. Laut seiner Theorie wurden nach der Herrschaft Alexander des Großen vermutlich griechische Statuen nach Zentralasien importiert.

 

An den  Ausgrabungsstätten  wurde  zudem  europäische  mito-

chondriale DNA gefunden. Sie lässt darauf schließen, dass Europäer zur Zeit des ersten Kaisers nach China gereist sind, sich niedergelassen haben und auch dort gestorben sind. Falls sich diese Vermutungen bestätigen, wäre das der erste dokumentierte Kontakt zwischen dem Westen und China. „Die Arbeit, die die Archäologen hier vorgenommen haben, ist wichtiger als alles andere in den letzten 40 Jahren - sogar wichtiger als die Terrakotta-Armee", macht Prof. Zhang Weixing, Chef-Archäologe an der Grabstätte, deutlich.

 

Der Tod der Konkubinen

Weixing und sein Team haben darüber hinaus noch weitere Entdeckungen gemacht. Direkt vor dem Grab des Kaisers fanden sie die Überreste junger Frauen, die mit wertvollem Schmuck aus Gold und Perlen begraben wurden. Das Forscherteam ist überzeugt, dass es sich dabei um die Konkubinen des ersten Kaisers handeln muss. Erschreckend ist, dass ihre Knochen Zeichen der Gewalteinwirkung aufweisen. Es gibt 99 dieser Gräber, alle zehn bisher ausgehobenen enthalten  die  verstüm-

melten Überreste junger Frauen.

 

Der Schädel eines Prinzen

Im Osten des Kaisergrabs wurde der  Schädel  eines  hochrangi-

gen Mannes  gefunden,  der das  Einschussloch eines Armbrust-

pfeils aufweist. Der Pfeil wurde aus naher Distanz abgefeuert und deutet auf eine Exekution hin. Das Forscherteam glaubt, dass es sich dabei um die Überreste des Prinzen Fu Su, dem ältesten Sohn des ersten Kaisers, handelt, da er mit Artefakten begraben wurde, die der königlichen Familie gehören. In seiner Grube wurden Knochen von sieben weiteren Personen gefun- den, die alle durch Gewalteinwirkung gestorben sind. Diese Funde bestätigen historische Erkenntnisse, dass Prinz Fu Su und seine Geschwister nach dem Tod ihres Vaters durch ihren jüngeren Bruder Prinz Hu Hai ermordet wurden, weil dieser die Macht an sich reißen wollte.

 

Daneben entdeckten die Wissenschaftler mehrere Massengrä- ber für die Arbeiter des Kaisers. Die technisch hoch anspruchs- volle und weltweit erste Gesichtsrekonstruktion anhand eines dort gefundenen Schädels macht es möglich, einem der Arbeiter direkt in die Augen zu blicken.

 

Größe und Grundriss der Grabstätte

Während der Ausgrabungen zeigte sich zudem, dass die Grabstätte insgesamt fast 100 Quadratkilometer groß und damit die größte archäologische Ausgrabungsstätte der Welt ist. Ursprünglich waren Forscher von einer Größe von 57 Quadrat- kilometern ausgegangen. Groß angelegte Untersuchungen mit Fernerkundungsverfahren, Bodenradar und Bodenproben ergaben, dass das kaiserliche Grab ungestört unter einer Pyramide liegt. Drumherum liegen Grabkorridore sowie die Grabstätten der Konkubinen, ihre Wohnquartiere und eine 66 Meter breite Straße, die in die Grabstätte führt - das entspricht der Größe einer 16-spurigen Autobahn.

 

Die Filmemacher ließen für die Produktion der Dokumentation mit Wärmebildkameras ausgestattete Drohnen über die Grabstätte fliegen. Ingenieur und Forscher Dr. Albert Lin glich diese Filmauf-nahmen mit Satellitenbildern ab und entdeckte dadurch zwei Straßen, die aus der Stätte herausführen. Eine der beiden Straßen verläuft in nord-westlicher Richtung nach Lintao, dem »Tor zum Westen«. Das Team stellt dazu jetzt weitere Nachfor-schungen an. „Die jüngsten Ausgrabungen haben bahnbrechende neue Erkenntnisse über das China zu Zeiten des ersten Kaisers geliefert", fasst Weixing zusammen.

 

Sendetermin:

Deutschlandpremiere der 90-minütigen Dokumentation »Chinas geheimnisvolles Kaisergrab« ist am 29. Oktober um 21.00 Uhr auf dem National Geographic Channel - Wahlweise im engli- schen Original oder der deutschen Sprachfassung.

 

 

Quelle: presseportal.de, Foto: National Geographic

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