09.03.2019

Unberührtes Heiligtum der Maya in Chichén Itzá entdeckt

Tief in den »Eingeweiden der Erde« unter der Maya-Stadt Chichén Itzá haben Forscher eine Höhle erkundet. In kaum zugänglichen Kammern brachten die Maya hier Opfergaben dar.

 

„Man fühlt förmlich die Anwesenheit der Maya, die diese Objekte hier ablegten“, sagt Guillermo de Anda. Über eintausend Jahre lang standen die Töpfe und Räuchergefäße unberührt auf dem feuchten Höhlenboden – so lange, dass an einigen Stellen Tropfsteine die Opfergaben umschlossen. De Anda ist Ko-Leiter des Teams, das die Opferstätte im Balamkú-Höhlensystem im Untergrund der Maya-Stadt Chichén Itzá jetzt erkundete.

 


 

Dass die Opferstätte seit dem Untergang der Maya keine Besucher gehabt zu haben scheint, liegt vermutlich an ihrer Unzugänglichkeit: Wer sie erreichen will, muss sich teils auf dem Bauch liegend über 400 Meter durch enge Gänge zwängen. Die Existenz dieser Höhle war Einheimischen allerdings schon länger bekannt. Im Jahr 1966 machten sie den Maya-Archäologen Víctor Segovia Pinto auf den Eingang aufmerksam. Dieser nahm jedoch nur eine kurze Bestandsaufnahme vor und entschied dann, die Höhle nicht weiter zu erforschen. Stattdessen ließ er den Zugang versiegeln.

 

Für das Team des Projekts »Great Maya Acquifer«, das die unterirdischen Wasserläufe der mexikanischen Yucatán-Halbinsel erforscht, war das ein Glücksfall. Die konservierten Opfergaben könnten nun mit neuesten archäologischen Methoden analysiert werden, schreibt das Team in einer Pressemitteilung der mexikanischen Denkmalbehörde INAH.

Mindestens 150 Objekte finden sich in den Kammern der Höhle. Viele zeigen Jaguare, andere tragen das Abbild des Wassergottes Tláloc. Auch Mühlsteine und Miniaturversionen von Gegenständen des täglichen Gebrauchs sind vorhanden. Viele Gefäße wurden offenbar rituell zerschlagen. Dass die Maya den großen Aufwand nicht scheuten, den es bedeutete in die Opferkammern vorzudringen, und gleichzeitig noch mehr als doppelt so viele Gaben deponierten wie in der vergleichbaren Höhle Balamkanché, zeigt nach Ansicht von de Anda, dass es sich um eines der wichtigsten Heiligtümer des mittelamerikanischen Volks gehandelt zu haben scheint. In ihrer Mythologie spielten Höhlen als Zugänge zur Unterwelt eine wichtige Rolle, um mit Göttern in Kontakt zu treten.

 

Die Forscher datieren die Opfergaben auf die Zeit der Spätklassik und deren Endphase, also auf die Jahre zwischen 700 und 1000. Die Fundstücke könnten erklären helfen, warum Chichén Itzá am Ende dieses Zeitabschnitts wie viele andere Maya-Zentren auch kollabierte. Nach Meinung einiger Forscher sollen schwere Dürren oder massive Abholzung dafür verantwortlich sein. Pflanzenreste in den Opfergefäßen könnten klären helfen, welche ökologischen und klimatischen Bedingungen in der Spätphase der Maya-Kultur herrschten, so de Anda. „Balamkú erhellt uns nicht nur den Zeitpunkt des Zusammenbruchs von Chichén Itzá, sondern wahrscheinlich auch die Anfänge der Stadt. Jetzt haben wir einen versiegelten Fundkontext, der eine große Menge an Informationen bereithält.“

 

 

Quelle: Jan Dönges für Spektrum der Wissenschaft

Foto: Karla Ortega, Proyecto Gran Acuífero Maya

 

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