23.05.2019

Weitere rätselhafte Tonkrüge-Stätten in Laos entdeckt

In der laotischen Provinz Xieng Khouang befindet sich nahe der Provinzhauptstadt Phonsavan die »Ebene der Tonkrüge«. In der Umgebung von Phonsavan gibt es drei Ebenen, auf denen Hunderte jahrtausendealte Sandsteinkrüge verstreut herumliegen. Manche Archäologen deuten diese riesigen Krüge als Vorratsbehälter für Wein oder Reis. Andere Experten glauben, dass sie als Grabbehältnisse dienten.

 

Die Steingefäße variieren in der Größe von einem halben bis zu drei Metern und bestehen aus Sandstein, nicht aus Ton, allerdings hat sich die Bezeichnung eingebürgert. Das Alter der Krüge wird auf 1.500 bis 2.000 Jahre geschätzt. Ihr Gewicht beträgt bis zu 6.000 Kilogramm. Einige von ihnen sind mit Darstellungen von Menschen, Tiger und Affen verziert, die große Ähnlichkeit mit Funden aus einer etwa 1.000 Kilometer entfernten Region in Indien haben. Archäologen der Australian National University (ANU) in Canberra hatten im Februar 2016 eine fünfwöchige Ausgrabung gestartet und stießen dort auf einer von insgesamt 90 Stätten erstmals auf menschliche Überreste, die zwischen den riesenhaften Steinkrügen begraben lagen und mit rund 2.500 Jahren auf das selbe Alter wie die Tonkrüge datiert werden.

 

 

Diese zeitliche Übereinstimmung und die Tatsache, dass die Toten größtenteils erst nach dem Verwesungsprozess dort bestattet zu sein scheinen, sahen die Forscher als Indiz dafür an, dass die rätselhaften Riesenkrüge zumindest an dieser Stätte für die Vorbereitung der Toten genutzt worden sein könnten. Man könnte die Krüge dazu verwendet haben, die Leichen darin verwesen zu lassen, bis nur noch die Knochen übrigblieben, die anschließend um die Steingefäße herum bestattet wurden. Dabei gab es scheinbar drei völlig unterschiedliche Bestattungsarten: Entweder die Überreste wurden begraben und mit einer großen Kalksteinplatte abgedeckt, in Keramikgefäße gelegt, bevor sie eingegraben wurden oder der Leichnam wurde völlig unversehrt in ein Grab gelegt.

 

Um welche Personen es sich bei den Verstorbenen handelte, konnten die Archäologen nicht ermitteln, da ihnen keine Grabbeigaben beigefügt wurden, die Hinweise auf ihren Status geben könnten. Man hat aber einige Zähne zur DNA-Analyse ins Labor geschickt und erwartet nun demnächst zumindest einige Informationen zur Herkunft und Zugehörigkeit dieser Kultur zu erhalten. Man plant zudem noch weitere chemische Analysen der Knochen und eventueller Rückstände in den Tonkrügen, da bisher nur ein kleiner Teil der neuen Funde genauer untersucht wurde.

 

Wie die Archäologen um Dougald O’Reilly von der Australian National University (ANU) nun im Fachjournal Phys.org schreiben, konnten sie 15 weitere megalithische Stätten mit insgesamt 137 neuen, großen Steinkrügen in Laos ausfindig machen. Die Fundorte, die über 1.000 Jahre alt sind, befinden sich in einem abgelegenen Bergwald und erweitern das geografische Gebiet, in dem diese seltsamen Steindenkmäler hinterlassen wurden.

 

 

© Fernando Calvo*, Foto: ANU

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