05.03.2019

Indizien zur Existenz von Planet Neun verdichten sich

Seit Jahren häufen sich Indizien dafür, dass ein großer, unentdeckter Planet existiert. Berechnungen untermauern nun diese Hypothese.

 

Es gab einmal eine Zeit, da kam man zur richtigen Aufzählung der Planeten mit einem simplen Satz ganz gut über die Runden: Mit "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten" fiel es leicht, sich Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und schließlich Pluto korrekt zu merken.

 

 

Das Sonnensystem wird komplizierter

Dann aber trafen sich am 24. August 2006 die Mitglieder der Internationalen Astronomischen Union (IAU) und verkomplizierten die Angelegenheit deutlich, indem sie den Begriff »Planet« neu definierten. Eine der wichtigsten Folgen war, dass Pluto seinen Status als neunter Planet verlor und zu einem Zwergplaneten herabgestuft wurde – einer von hunderten, die das Sonnensystem beherbergt, wie man mittlerweile annimmt.

 

Einer der Verantwortlichen für die Degradierung des Pluto ist Michael Brown vom California Institute of Technology (Caltech). Der US-Astronom hat durch seine Entdeckung von Eris und einiger anderer Zwergplaneten der Reklassifizierung der Himmelskörper den Weg geebnet. In gewisser Weise könnte Brown den Verlust des Pluto im planetaren Line-up allerdings wiedergutmachen: Vor genau drei Jahren griff er gemeinsam mit seinem Kollegen Konstantin Batygin die Idee auf, wonach im fernen Kuipergürtel noch ein großer unentdeckter Planet existiert.

 

Grundlage der Hypothese eines neunten Planeten ist ein Phänomen, das die Astronomen als »orbitales Clustering« bezeichnen – eine charakteristische Anordnung der Umlaufbahnen zahlreicher transneptunischer Objekte (TNO), die auf den gravitativen Einfluss einer großen Masse im Kuipergürtel zurückgehen könnte. Freilich sind nicht alle Fachkollegen von dieser Argumentation überzeugt.

Falsche Beobachtungen?

Erst kürzlich stellten Forscher eine alternative Erklärung vor, wonach viele kleine in einem Ring angeordnete Objekte einen vergleichbaren Effekt auf die Orbits der TNO ausüben könnten. Andere Kritiker haben den Verdacht geäußert, dass die orbitalen Cluster Beobachtungsartefakte sind und sich auf falsche Interpretationen und die Voreingenommenheit der Autoren gründen.

 

Brown und Batygin nehmen derartige Einwürfe sehr ernst. Um die geäußerten Zweifel auszuräumen (oder womöglich auch zu erhärten) und ihre Hypothese zu überprüfen, haben die beiden Wissenschaftler nun eine neue Methode angewandt, die zeigen sollte, wie hoch die Chancen dafür stehen, dass das beobachtete orbitale Clustering in Wahrheit gar nicht existiert.

 

Zur allgemeinen Erleichterung all jener, die gerne an einen Planet Neun glauben möchten, erwies sich das im Astronomical Journal präsentierte Resultat als relativ eindeutig: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ausrichtung der TNO-Orbits einem Zufall zu verdanken ist, liegt bei nur 1:500.

 

„Obwohl unsere Analyse keine direkte Aussage über die Existenz von Planet Neun trifft, so weist sie dennoch deutlich darauf hin, dass unsere Hypothese auf einem soliden Fundament steht", sagt Brown. In einer zweiten im Fachjournal Physics Reports präsentierten Arbeit haben die Astronomen das Bild präzisiert, das sie sich von dem hypothetischen Himmelskörper im Kuipergürtel machen.

 

Kleiner und näher

Auf Basis neuer Daten und Modellberechnungen kamen Brown und Batygin gemeinsam mit Kollegen von der University of Michigan zu dem Schluss, dass Planet Neun kleiner und näher sein dürfte als bisher gedacht: „Mit der nun angenommenen fünffachen Erdmasse würde Planet Neun einer sogenannten Supererde gleichen", so Brown.

 

Darüber hinaus könnte seine neu errechnete Distanz von 400 Astronomischen Einheiten bedeuten, dass der ominöse Planet von der Erde aus bedeutend heller erscheint als gedacht. Damit steigen auch die Chancen, dass das Objekt über kurz oder lang bei Himmelsdurchmusterungen tatsächlich in Erscheinung tritt.

 

Die Nadel im Heuhaufen

Bleibt die Frage, warum so eine verhältnismäßig große Welt nicht schon längst erspäht werden konnte. Nicht, dass nicht schon intensiv danach Ausschau gehalten wird, aber ein solches Unterfangen ist tatsächlich die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen: Zum einen kommt in den Gefilden, wo Planet Neun vermutet wird, nur mehr ein äußerst geringer Anteil des Sonnenlichts an. Das wenige davon, das er reflektiert, könnte vor dem Hintergrund des allgegenwärtigen Galaxien- und Sternengefunkels nur sehr schwer auszumachen sein. Zum anderen lässt sich seine aktuelle Position auf seiner Umlaufbahn kaum vorhersagen. Mit anderen Worten: Er könnte beinahe überall sein.

 

 

Quelle: Thomas Bergmayr für Der Standard, Foto: ESO/Tom Ruen

 

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