27.06.2019

Neue Studie: Mars hatte viel Zeit, Leben zu entwickeln

Manche Geowissenschaftler fragen sich gar nicht, ob es Leben auf dem Mars gab - sie wollen herausfinden, wann Asteroideneinschläge es vernichtet haben könnten, bevor es erwachsen wurde.

 

Eines der heftigsten Ereignisse in der Geschichte des Sonnensystems ist womöglich in der Vergangenheit ein wenig falsch dargestellt worden, meinten zuletzt nicht ganz wenige Geowissenschaftler: das vor knapp vier Milliarden Jahren auffällig plötzlich akute »Große Bombardement«, ein Hagel von Asteroiden, der alle inneren Planeten katastrophal eingedeckt hat – und nebenbei jedes etwa schon sprießende frühe Leben ausgelöscht haben soll. Vielleicht aber, so die Skeptiker, war das Bombardement der inneren Planeten doch eher chronisch, hat also langsam begonnen und sehr allmählich aufgehört? Für den Mars haben Wissenschaftler nun noch einmal genau hingesehen: Sie kommen in einer in Nature Geoscience veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass es auf dem Roten Planeten tatsächlich schon seit überraschend langer Zeit keine katastrophalen Einschläge mehr gegeben hat. Das hätte dann nebenbei möglichen marsianischen Mikroorganismen ein längeres Zeitfenster mit akzeptablen Umweltbedingungen geben können, um sich auf dem Mars einzuleben.


Diese Überlegung hatten einige Wissenschaftler zuvor schon ganz ähnlich für die Erde durchgespielt. Dabei waren sie zu dem Schluss gekommen, dass der Asteroidenhagel auf unserem Planeten früher einsetzte als zunächst gedacht und langsam abebbte. Für den Mars haben Forscher um den Geochronologen Desmond Moser von der University of Western Ontario in Kanada das nun genauer untersucht. Dazu haben sie sich Splitter von Marsmeteoriten angesehen, die in der Sahara gefunden wurden, um herauszufinden, wann der Einschlag sich ereignet hatte, der die Brocken einst aus dem Mars herausgeschlagen hat. Den Analysen zufolge geschah dies wahrscheinlich vor höchstens 20 Millionen Jahren. Einzelne Kristallsplitter der Marsmeteoriten sind aber viel, viel älter, wie die Analysen zeigen: Manche Zirkone – deren Alter gut zu bestimmen ist – und andere Minerale sind vor bis zu 4,48 Milliarden Jahren entstanden und gehören damit zu den ältesten und urtümlichsten Gesteinen des Mars, die bislang überhaupt untersucht werden konnten.

 

Mit hoher Wahrscheinlichkeit lagen diese Gesteine einst auf der Hochebene der alten südlichen Marshemisphäre, die – in auffälligem Kontrast zum jüngeren Norden des Planeten – von vielerlei Kratern zernarbt ist. Weitere Analysen der Mars-Meteorit-Zirkone unter dem Elektronenmikroskop und mit Atomsonden-Tomografie machten Moser und Kollegen dann deutlich, dass nahezu keines der untersuchten Minerale jemals dem hohen Druck ausgesetzt war, der auftritt, wenn Gestein von einem einschlagenden Meteoriten getroffen wird. Das lässt nun eine aufschlussreiche Interpretation zu: Sind die in der marsianischen Meteoritenabsturzzone gefundenen uralten Minerale erst entstanden, als das Heavy Bombardement bereits beendet war?

 

Oder – so die noch etwas mutigere Interpretation: Gab es ein wirklich schweres »Schweres Bombardement« womöglich auf dem Mars gar nicht? Der schon älteren, mittlerweile allerdings vielfach angezweifelten Theorie zufolge war der Asteroidenhagel im inneren Sonnensystem vor rund 3,8 bis 4 Milliarden Jahren durch Bewegungen der äußeren Gasriesen des Sonnensystems ausgelöst worden: Als diese allmählich in ihre heutigen Umlaufbahnen einschwenkten, schleuderte ihr Schwerkrafteinfluss die Brocken massenhaft in Richtung inneres Sonnensystem. Nun wird es jedoch immer schwerer zu erklären, warum sowohl Erde wie Mond und – nach den neuen Erkenntnissen – auch Mars offenbar im Zeitfenster dieses vermeintlichen Bombenhagels selten getroffen wurden. Zumindest aber könne die merkwürdige Unterschiedlichkeit der Marshemisphären nichts mit diesem Heavy Bombardement zu tun haben, schlussfolgern Moser und Kollegen: Diese sei vor mehr als 4,48 Milliarden Jahren entstanden und danach kaum durch größere Treffer umgewälzt worden. Und kaum später, vor 4,2 Milliarden Jahren, gab es dann nach Modellrechnungen eine Phase mit flüssigem Wasser auf dem Mars, in dem sich Leben hätte entwickeln können, so die Geowissenschaftler: nicht undenkbar, dass das Leben auf dem Mars und der Erde länger Zeit gehabt haben könnte, ungestört von Einschlagkatastrophen zu gedeihen.

 

 

Quelle: Jan Osterkamp für Spektrum der Wissenschaft

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons

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