06.08.2017

Titan besitzt wichtige Bausteine für einzelliges Leben

Der Saturnmond Titan ist erdähnlich und exotisch gleichermaßen: Einerseits besitzt der Himmelskörper mit einem Durchmesser von rund 5.150 Kilometern eine dichte Atmosphäre, ausgedehnte Dünenlandschaften, Flüsse, Seen und Inseln sowie einen regelrechten Flüssigkeitskreislauf. Im Unterschied zum Wassersystem der Erde sind hier die Hauptkomponenten jedoch die Kohlenwasserstoffe Methan und Ethan. Außerdem herrschen auf seiner Oberfläche lebensfeindliche Temperaturen von rund minus 180 Grad Celsius.

 

Dennoch ist die Vorstellung, dass auf Titan Leben existieren könnte, nicht völlig von der Hand zu weisen. Wie nun Forscher um Maureen Palmer vom Goddard Center for Astrobiology (GCA) am Goddard Space Flight Center der NASA berichten, existiert auf dem Saturnmond eine Substanz, die die Grundlage für Zellmembrane bilden könnte.

 

Basis für Zellmembrane

Die Astrobiologen entdeckten in der Titan-Atmosphäre den Fingerabdruck der Chemikalie Akrylnitril anhand von spektroskopischen Analysen mithilfe des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) in Chile. Die Substanz mit der Summenformel C3H3N kommt demnach in der Stratosphäre des Mondes in großen Mengen vor. Von dort aus dürfte einiges davon auch die Oberfläche des Titan erreichen, schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal Science Advances.

 

Das Besondere von Akrylnitril ist, dass es im Unterschied zu den Komponenten terrestrischer Zellmembranen den harschen Bedingungen auf dem Saturnmond durchaus standhalten könnte. „Wenn die Substanz tatsächlich membranähnliche Strukturen bilden kann, dann wäre das ein entscheidender Schritt für die Entstehung von Leben auf Titan", meint Michael Mumma, Direktor des Goddard Centers for Astrobiology.

 

Komplexe organische Substanzen

Die Chancen dafür stehen jedenfalls nicht so schlecht: Nach den Berechnungen der Wissenschaftler könnten sich alleine in dem Titansee Ligeia Mare rund 30 Millionen Zellen mit einer Akrylnitril-Membran je Kubikzentimeter gebildet haben. Freilich sei dies alles nur Theorie, erklärt Palmer. Eine weitere in der vergangenen Woche in den Astrophysical Journal Letters erschienene Studie, die von der Entdeckung weiterer komplexer organischer Moleküle berichtet, spricht allerdings durchaus dafür.

 

Quelle: Der Standard, Foto: NASA/JPL-Caltech

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