10.07.2018

Wie eine Kollision unsere Milchstraße veränderte

Vor acht bis zehn Milliarden Jahren vereinigte sich unsere Milchstraße mit einer Nachbargalaxie. Das prägt ihr Bild bis heute.

 

In rund vier Milliarden Jahren ist es so weit. Dann kollidiert unsere Milchstraße mit der Andromedagalaxie und vereinigt sich mit dieser. Doch das wird nicht der erste und wahrscheinlich auch nicht der letzte derartige Zusammenstoß sein, den unsere Galaxie in ihrer kosmischen Zeit überstehen wird. Wie Vasily Belokurov von der University of Cambridge und sein Team in den »Astrophysical Journal Letters« meldet, fand bereits vor acht bis zehn Milliarden Jahren ein ähnliches Ereignis statt. Damals vereinigte sich unsere mit einer benachbarten Zwerggalaxie, die bis zu zehn Milliarden Sonnenmassen in Form von Sternen, Staub, Gas und auch Planeten umfasste.

 

Diese Vereinigung vollzog sich allerdings keinesfalls friedlich, denn die kollidierende Zwerggalaxie »rammte« sich regelrecht durch die Sternscheibe der Milchstraße und zerteilte diese teilweise. Manche der Fragmente versammelten sich im Innenbereich unseres Systems; zahlreiche Sterne absolvieren seitdem lang gezogene, enge Umläufe um das Zentrum unserer Milchstraße. Dieses verdichtete und beulte sich dadurch aus, weshalb wir heute den typischen, so genannten Bulge beobachten können. Umgeben wird dieser kugelförmige Bulge von einer flachen, sich nach außen erstreckenden Scheibe, dem so genannten Halo, der zu zwei Dritteln aus weiteren Überresten der Kollision aufgebaut sein könnte, so die Astronomen. Als dritten Beleg führen sie acht große Kugelsternhaufen an, die ihren Ursprung ebenfalls in der Zwerggalaxie haben könnten, was wiederum deren Größe andeutet – sie bilden sich erst ab einer bestimmten Massenansammlung.

 

Als stärkster Hinweis auf den Zusammenstoß werten die Wissenschaftler einen Schwarm bestimmter Sterne, die sie in den Daten der Gaia-Mission entdeckten. Sie erstrecken sich wurstförmig am Rand der galaktischen Scheibe, weshalb Belokurov und Co ihre Ursprungsheimat als Wurst-Galaxie (»Sausage Galaxy«) bezeichnen. Es handelt sich wohl um Sterne, die bei der Kollision zurückblieben. Sie weisen jeweils enge Orbits auf, doch sobald sie einen bestimmten Punkt erreicht haben, fliegen sie eine enge Kurve, wechseln die Richtung und rasen wieder zurück. Die Milchstraße hat im Lauf ihrer Geschichte viele Zwerggalaxien in sich vereint. Doch dieser Happen war der größte", so der an der Studie beteiligte Astronom Sergey Koposov von der Carnegie Mellon University in einer Mitteilung.

 

 

Quelle: Daniel Lingenhöhl für Spektrum der Wissenschaft

Foto: CCO Gemeinfrei

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