12.04.2019

Armut verändert unser Erbgut

Armut macht krank – und das nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch bei uns. Doch warum kann eine arme Kindheit und Jugend selbst bei Erwachsenen noch gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Eine Antwort auf diese Fragen könnte nun ein Blick aufs Erbgut geliefert haben. Denn wie die Forscher feststellten, ist das Muster von Anlagerungen an der DNA bei Menschen aus armen Verhältnissen deutlich verändert. Diese epigenetischen Unterschiede beeinflussen die Genaktivität und könnten daher auch die körperlichen Spätfolgen der Armut erklären.

 

Wer arm ist, ist auch meist sozial benachteiligt und hat schlechtere Bildungschancen – das ist hinlänglich bekannt. Doch Armut wirkt sich auch auf die Gesundheit aus, selbst in eigentlich wohlhabenden Ländern wie Deutschland. So zeigen Studien, dass Menschen, die einen niedrigen sozioökonomischen Status haben, häufiger einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden. Sie sind häufiger fettleibig und erkranken öfter an Diabetes, Magengeschwüren und Lungenentzündungen. Aber auch seelische Krankheiten treten bei Menschen in Armut häufiger auf: Ein niedriger Sozialstatus kann zu Depressionen, Sucht und Angststörungen führen. Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass sich Armut in der Kindheit und Jugend auch auf die Gesundheit im späteren Leben auswirken kann.

 

 

Wie erinnert sich unser Körper an Armut in der Kindheit?

„Wir wissen schon seit langer Zeit, dass der sozioökonomische Status ein starker Einflussfaktor für die menschliche Gesundheit ist“, erklärt Erstautor Thomas McDade von der Northwestern University in Evanston. „Aber die zugrundeliegenden Mechanismen, durch die sich unser Körper an die Erfahrungen der Armut ‚erinnert‘, sind bisher nicht bekannt.“ Um diese Frage zu klären, haben McDade und sein Team sich das Erbgut von Betroffenen und nicht Betroffenen näher angeschaut. Dabei ging es ihnen jedoch nicht um die DNA-Sequenz, sondern um das Epigenom – Anlagerungen von Methylgruppen an den Erbgutstrang, die die Genaktivität entscheidend beeinflussen. Denn dort, wo eine solche Kohlenwasserstoffgruppe an der DNA sitzt, blockiert sie das Ablesen der Gene.

 

Für ihre Studie analysierten die Forscher das Muster der epigenetischen Anlagerungen bei 489 Teilnehmern einer Langzeit-Gesundheitsstudie auf den Philippinen. Die Probanden waren junge Männer, von denen ein Teil ihre Kindheit und Jugend unter schlechten sozioökonomischen Verhältnissen verbracht hatten und die eine nur geringe Bildung erfahren hatten. Die Forscher verglichen, an wie vielen und welchen Stellen des Erbguts die Probanden jeweils Methylgruppen trugen und wie sich dieses Muster bei Männern aus benachteiligten und nicht benachteiligten Verhältnissen unterschied.

 

Klare Unterschiede im Epigenom

Tatsächlich zeigten sich deutliche Unterschiede im Epigenom, selbst wenn andere Einflussfaktoren mit berücksichtigt wurden. Insgesamt fanden die Wissenschaftler 2546 Stellen im Erbgut, an denen sich die Methylierung zwischen den in Armut aufgewachsenen Probanden und ihren aus besseren Verhältnissen stammenden Altersgenossen unterschied. An 1777 Stellen hatten die Probanden aus schlechteren sozioökonomischen Verhältnissen mehr Anlagerungen, an 769 weiteren DNA-Stellen dagegen weniger. Von diesen epigenetischen Veränderungen waren 1537 bekannte Gene betroffen. „Unsere Analysen haben eine Überrepräsentierung von Stoffwechselwegen identifiziert, die mit der Immunfunktion, der Skelettentwicklung und der Entwicklung des Nervensystems zusammenhängen“, berichten McDade und seine Kollegen.

 

Nach Ansicht der Forscher spricht dies dafür, dass Armut ihre Spuren am Genom hinterlässt. „Dieses Muster beleuchtet einen potenziellen Mechanismus, durch den Armut anhaltende Auswirkungen auf physiologische Systeme und Prozesse haben kann“, sagt McDade. „Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass die DNA-Methylierung dafür eine wichtige Rolle spielt.“ Denn es sei bereits bekannt, dass das Epigenom eine große Bandbreite von biologischen Prozessen und Gesundheitsfolgen präge. Als nächstes wollen die Forscher untersuchen, welche konkreten Folgen die von ihnen identifizierten Methylierungs-Unterschiede haben könnten.

 

 

Quelle: Nadja Podbregar für bild der wissenschaft

Foto: Pixabay, CC0 Creative Common


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