06.07.2017

Eine Ostsee-Insel ist der gefährlichste Ort Deutschlands

Wenn man sich die kleine Ostseeinsel Riems ansieht, würde man niemals auf den Gedanken kommen, dass man es mit dem gefährlichsten Ort in Deutschland zu tun haben könnte. Doch die idyllischen reetgedeckte Häuschen und das blaue Meer täuschen, denn dort werden Dinge getan, die man nirgendwo sonst auf deutschem Boden machen darf.

 

Im Südwesten des Greifswalder Boddens, eines zwischen dem Festland und der Insel Rügen gelegenen flachen Ausläufers der Ostsee, befindet sich die Insel Riems. Doch im Gegensatz zu den vielen anderen schönen Inseln der Ostsee, kann man Riems nicht so ohne weiteres einfach besuchen, denn hohe Zäune und Stacheldraht sorgen dafür, dass ungebetenen Gästen der Zutritt verwehrt bleibt. Der Grund: Auf ihr befindet sich das Friedrich-Loeffler-Institut des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit, eine gentechnische Anlagen mit der Sicherheits-

stufe 4, der höchste Gefährlichkeitsstufe in Deutschland.

 

Forschungslabor für Vogelgrippe, Schweinepest und BSE

Um in die ober- und unterirdischen Labors der Anlage zu gelangen, benötigt man nicht nur eine Sondergenehmigung, sondern man unterliegt während des Aufenthaltes auch strengster Sicherheits- und Schutzbestimmungen. Spezielle Schutzkleidung und  Ganzkörper-Desinfizierungsmaßnahmen ge-

hören zu den wichtigsten Vorkehrungen. Und diese Maßnahmen sind auch zwingend erforderlich, denn die Wissenschaftler dort experimentieren mit den gefährlichsten Viren und Bakterien unseres Planeten. Sie züchten Krankheitserreger  wie beispiels-

weise die der Vogelgrippe, Maul- und Klauenseuche, BSE, Ebola und Schweinepest. Mit diesen tödlichen Mikroorganismen wäre man theoretisch in der Lage, nicht nur die gesamte Menschheit, sondern alles Leben auf der Erde auszurotten.

 

Ein Holzhäuschen war das erste Labor in der Virenforschung

Das Institut auf Riems wurde im Oktober 1910 von dem Forscher und Namensgeber Friedrich Loeffler gegründet und hatte ursprünglich den Zweck, die Erreger der Maul- und Klauenseuche zu erforschen. Dies geschah damals noch in einem schlichten, kleinen zweigeschossigen Holzhäuschen, das heute als das erste virologische Forschungsinstitut der Welt angesehen wird. Die der Küste vorgelagerte Insel lag für die riskanten Forschungsziele des Wissenschaftlers strategisch optimal gelegen, da man sie nur per Schiff erreichen konnte. Somit bot sie gute Voraussetzungen für die gefährlichen Experimente Loefflers. Erst in den frühen 1970er Jahren wurde sie durch einen rund 500 Meter langen, aufgeschütteten Straßendamm mit dem Festland verbunden.

 

1913 wurden die Forschungsarbeiten auf  Riems vorläufig eingestellt, da Loeffler nach Berlin zum Robert-Koch-Institut ging. Erst in 1926 wurde die Einrichtung auf der Insel wieder aktiviert und während des Zweiten Weltkriegs auch zur Erforschung von Biowaffen genutzt. Später diente es den DDR-Wissenschaftlern zur Entwicklung von Impfstoffen und ab 1992 wurde das Institut als Teil der »Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere« zu einem immer wichtiger werdenden Bestandteil in der Seuchenerforschung. In 2010 baute man es zu seinem 100-jährigen Jubiläum schließlich dann zu dem modernsten Tierseuchenforschungsinstitut in Europa aus und die Labore konnten dadurch auf die Biosicherheitsstufe 4, der höchsten Gefährlichkeitsstufe in Deutschland, erweitert werden.

 

Gefährlicher Hochsicherheitstrakt

Seit dem Erweiterungsbau des Instituts verfügt es über 89 Laboratorien und 163 Stallräumen, in denen die Forscher auch an großen Tieren ihre Experimente durchführen können. Dabei stehen vor allem solche Krankheiten im Fokus, die zwischen Mensch und Tier übertragen werden können, sogenannte Zoonosen. Da rund zwei Drittel aller für Menschen gefährlichen Infektionen durch Tiere übertragen werden, wird diesem Forschungszweig eine besondere Bedeutung zugesprochen.

 

Aufgrund dessen, dass in diesen Hochsicherheitslabors mit den gefährlichsten Mikroorganismen der Welt gearbeitet wird, sind selbstverständlich die Sicherheitsanforderungen auch für das Verlassen der Anlage entsprechend hoch angesetzt. Jeder, der aus dem Institut raus will, wird deshalb akribisch genau »durchleuchtet«, damit keiner der Erreger unkontrolliert in die Außenwelt gelangt. Doch trotz aller Vorkehrungen kann es niemals eine hundertprozentige Garantie geben, wie es beispielsweise der Fall aus dem britischen Forschungsinstitut »Institute for Animal Health in Pirbright« zeigt. Nach Überschwemmungen im Juli 2007 war von dort ein Erreger für Maul- und Klauenseuche über Löcher in einem Abfallrohr aus einem Labor hinausgelangt und die hatte die Tiere eines nahegelegenen Bauernhofs in der Grafschaft Surrey, 50 Kilometer südwestlich von London, infiziert. Die Laborbetreiber hatten sogar zunächst vehement bestritten, Schuld an der Infektion gewesen zu sein.

 

 

© Fernando Calvo, Foto: PommernCharter

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