03.09.2019

Forscher gelingt es, falsche Erinnerungen zu erzeugen

Wissenschaftler ist es erfolgreich gelungen, Mäusen durch Gehirnmanipulation falsche Erinnerungen einzupflanzen.

 

Im Science-Fiction-Film von 1990 »Total Recall« wird Zukunftstechnologie gezeigt, mit der darauf spezialisierte Unternehmen ihren Kunden jede gewünschte, falsche Erinnerung ins Gehirn einpflanzen können, die nicht von echten zu unterscheiden sind. Dadurch erhalten die Menschen auf Wunsch eine völlig neue Identität mit einer nie wirklich gelebten Vergangenheit oder es werden ihnen unangenehme Erinnerungen einfach ausgelöscht. Doch wie realistisch ist die Idee tatsächlich, Menschen Erinnerungen ins Gehirn zu implantieren, die nie geschehen sind?

Mit ihrer im Fachjournal Nature veröffentlichten Studie hat ein Wissenschaftlerteam gezeigt, dass es -zumindest bei Tieren - möglich ist, falsche Erinnerungen zu erzeugen, indem man die Gehirnzellen nach dem Muster des natürlichen Gedächtnisses simuliert. Um dies zu erreichen, haben die Forscher die bereits bestehende Erinnerung einer Maus effektiv abgeändert, indem sie die spezifischen Hirnschaltungen, die zu ihrer Entstehung benötigt werden, kartierten und es dann im Gehirn einer anderen Maus reproduziert. Nach den Erkenntnissen des Teams waren die implantierten Erinnerungen nicht von denen normal entstandenen Erinnerungen zu unterscheiden.

 

Zwar soll eine solche Technik derzeit noch nicht bei Menschen anwendbar sein, doch diese Forschungsergebnisse legen nahe, dass das Potenzial für die Implantation von künstlichen Erinnerungen bereits vorhanden ist und es nur noch eine Frag der Zeit ist, wann die Technologie dazu ausgereift ist.

 

Bereits in 2017 hatten kanadische Forscher der Universität Toronto verkündet, dass sie herausgefunden hätten, dass obwohl in unserem Gehirn zwar Millionen von Zellen vorhanden sind, letztendlich aber nur eine Handvoll von ihnen Verbindungen zu negativen Erinnerungen aufweisen würden. Und in ihren bahnbrechenden Experimenten mit Mäusen waren sie sogar in der Lage, jene Gehirnzellen zu lokalisieren, die für die Erinnerungen von Angst oder Bedrohung verantwortlich waren - und sie zu löschen. Es war ihnen möglich, einzelne, spezifische Erinnerungen auszuradieren, während alle übrigen Erinnerungen unversehrt blieben (wir berichteten).

 

Aber würdet ihr tatsächlich eine solche Technologie in Anspruch nehmen und euch künstliche Erinnerungen an einen Urlaub oder eine Beziehung kaufen wollen, anstatt es persönlich zu erleben? Immerhin sind es doch die damit verbundenen Emotionen, die schöne Erinnerungen prägen. Eine solche Technologie wird vermutlich ein breites Spektrum an sozialen und ethischen Konsequenzen mit sich führen.

 

 © Fernando Calvo*, Foto: F. Calvo

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