04.07.2019

Nahtod-Erfahrungen treten häufiger auf als gedacht

Jeder Zehnte hat schon einmal eine Nahtod-Erfahrung gemacht, wie nun eine Befragung enthüllt. Die ungewöhnlichen Bewusstseinszustände reichen dabei von außerkörperlichen Erfahrungen, über rasende Gedanken bis hin zu Begegnungen mit Engeln oder Dämonen. Doch nicht immer treten sie in lebensbedrohlichen Situationen auf. Bei manchen Nahtod-Erfahrungen scheint etwa der REM-Schlaf eine Rolle zu spielen, wie die Forscher berichten.

 

Einige sehen einen dunklen Tunnel mit hellem Licht am Ende, andere haben das Gefühl, über ihrem eigenen Körper zu schweben: Über sogenannte Nahtod-Erfahrungen (NTE) gibt es die faszinierendsten Berichte. Häufig stammen sie von Patienten, die eine lebensbedrohliche Situation erlebt haben und zum Beispiel nach einem Herzstillstand wiederbelebt wurden. Doch auch unter harmloseren Umständen erleben Menschen mitunter solche außergewöhnlichen Bewusstseinszustände – zum Beispiel bei einem epileptischen Anfall oder gar beim Meditieren.

Wie häufig sind Nahtod-Erlebnisse?

Wie sich diese Erfahrungen medizinisch und neurologisch erklären lassen, ist bis heute umstritten. Auch ist unklar, wie verbreitet Nahtod-Erfahrungen sind. Um diese Frage zu klären, haben Daniel Kondziella von der Universität Kopenhagen und seine Kollegen nun eine Umfrage unter 1.034 Personen aus 35 Ländern durchgeführt. Die Studienteilnehmer wurden über eine Crowdsourcing-Plattform rekrutiert und gefragt, ob sie schon einmal eine Nahtod-Erfahrung gemacht hatten. Probanden, die dies bejahten, gaben mithilfe eines standardisierten Fragebogens dann weitere Details zu ihrem Erlebnis an.

 

Die Auswertungen offenbarten: Von den rund 1.000 Befragten gaben 289 an, bereits eine Nahtod-Erfahrung gehabt zu haben. 106 von ihnen erfüllten nach der näheren Befragung genügend Kriterien, um von einer echten Nahtod-Erfahrung ausgehen zu können. Das bedeutet: Jeder Zehnte aus der Stichprobe hatte schon einmal solche anormalen Bewusstseinszustände erlebt. Frühere Studien aus Australien und Deutschland hatten den Wissenschaftlern zufolge etwas niedrige Quoten von acht und vier Prozent ergeben – diese bezogen sich allerdings nur auf Herzstillstand-Patienten.

 

Nicht immer ein positives Gefühl

Wie das Forscherteam erklärt, berichteten die Probanden von ganz unterschiedlichen Erfahrungen. Am häufigsten war dabei ein unnormales Zeiterleben – die Zeit beschleunigte oder verlangsamte sich. Auch eine extreme Beschleunigung gedanklicher Prozesse, eine Verschärfung der Sinne und außerkörperliche Erfahrungen gehörten zu den besonders oft genannten Erlebnissen. Viele Befragte berichteten zudem von einem Gefühl von Ruhe und totalem Frieden, andere hörten Stimmen oder fühlten die Gegenwart eines anderen Wesens.

 

Entgegen der gängigen Erwartung waren längst nicht alle Nahtod-Erfahrungen positiv: Für manche Studienteilnehmer war mit diesem Erlebnis auch ein unangenehmes oder beängstigendes Gefühl verbunden. So berichtete eine Probandin zum Beispiel davon, manchmal nachts aufzuwachen und einen Dämon auf ihrem Brustkorb sitzen zu sehen. „Ich kann mich nicht bewegen oder sprechen. Ich zähle in meinem Kopf dann bis drei und schließe meine Augen. Manchmal hilft das“, erzählt die Frau.

 

Die Rolle des REM-Schlafs

Solche Nahtod-Erfahrungen, die in der Übergangsphase zwischen Schlafen und Wach-Sein stattfinden, könnten den Forschern zufolge mit dem REM-Schlaf in Verbindung stehen. In dieser Phase des Schlafs ist das Gehirn oft sehr aktiv, die Träume lebhaft und es kommt in der Regel zur sogenannten Schlafparalyse, einer kurzfristigen Lähmung der Skelettmuskulatur. Manche Menschen fallen während des Aufwachens mehrfach wieder in diese Phase des Schlafs zurück – und genau dies ist offenbar häufig mit Nahtod-ähnlichen Erlebnissen verbunden.

 

 

Quelle: Daniela Albat für Scinexx

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons

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