03.12.2018

Die Trinkwasser-Ressourcen sind knapper als gedacht

Die globalen Grundwasser-Vorräte könnten noch knapper sein als bislang gedacht. Denn wie nun Messungen in den USA enthüllen, beginnt der Übergang zu brackigem und salzigem Grundwasser in überraschend geringer Tiefe: Im Schnitt endet die Süßwasserzone schon nach 550 Metern, es gibt sogar Gebiete, in denen es schon nach 50 Metern salzig wird. Das aber bedeutet: Sinken die Grundwasserspiegel, helfen mancherorts auch tiefere Brunnen nichts mehr.

 

Ein Großteil des Trinkwassers weltweit stammt aus dem Grundwasser. Doch diese unterirdische Ressource ist nicht unendlich erneuerbar – im Gegenteil. Studien zeigen, dass sich nur sechs Prozent der Grundwasservorkommen regelmäßig regenerieren. Schon jetzt sind zudem ein Drittel der Grundwasser-Reservoire übernutzt, viele weitere Reservoire sind durch Pestizide, Fracking-Chemikalien oder Überdüngung kontaminiert.

 

Nach unten hin wird es salzig

Doch es gibt noch ein weiteres Problem, wie nun Grant Ferguson von der University of Saskatchewan und seine Kollegen entdeckt haben. Denn vielerorts könnte die Schicht des für Trinkwasser geeigneten Grundwassers deutlich dünner sein als bisher angenommen. Für ihre Studie hatten die Forscher für 28 Reservoire in den USA untersucht, ab welcher Tiefe das »süße« Grundwasser in Brackwasser und schließlich in salziges Tiefenwasser übergeht.

 

Das überraschende Ergebnis: Der Übergang vom trinkbaren Grundwasser zu salzigeren Schichten erfolgt vielerorts in geringerer Tiefe als bisher gedacht: Im Schnitt trifft man in den US-Sedimentbecken schon in 550 Metern Tiefe auf Brackwasser. „An manchen Orten reicht das Süßwasser einen Kilometer tief hinunter, aber es gibt andere Gebiete, wo man schon nach 200 bis 300 Metern auf Salzwasser trifft“, berichtet Ferguson.

 

550 Meter statt 2.000

Das aber bedeutet: Die Grundwasser-Reserven könnten knapper sein als bisher angenommen – in den USA, aber auch weltweit. „Unsere Ergebnisse in den USA deuten darauf hin, dass auch global weniger Grundwasser verfügbar sein könnte als man bisher dachte“, so die Forscher. Denn bisher ging man generell von durchschnittlichen Tiefen der Reservoire von 1.000 bis 2.000 Metern aus. Die neuen Daten aber sprechen dafür, dass die Grenze zum salzigen Grundwasser vielerorts höher liegt.

 

Das Problem: In vielen Regionen weltweit sinken die Grundwasserspiegel, weil seit Jahrzehnten mehr Wasser entnommen wird als nachströmen kann. Wenn nun zum Ausgleich immer tiefere Brunnen gebohrt werden, könnte bald salziges statt frisches Grundwasser aus den Rohren fließen. In einigen Regionen des mittleren Westens der USA drohe dies schon heute: „In einigen Bereichen der Anadarko- und Segdwick-Becken stößt man schon in einer Tiefe von 50 Metern auf Salzwasser“, so Ferguson und seine Kollegen.

 

Die weltweiten Grundwasser-Vorräte sind demnach von gleich zwei Seiten gefährdet: Von oben droht Verschmutzung und zu große Entnahme, von unten strömt Salzwasser in die Aquifere.

 

 

Quelle: Nadja Podbregar für Spektrum der Wissenschaft

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons

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