19.12.2016

Geologen bohren Vulkan an, um Strom zu Erzeugen

Gigantische Energiereserven schlummern unter unseren Füßen. In Island bohren Geologen nun einen Vulkan an, um seine Kraft anzuzapfen. Sollte das gelingen, könnte die Insel im Atlantik künftig zum Strom-Exporteur werden.

 

Der Wärmeinhalt der Erde bietet ein gewaltiges Energiepo-tential, welches den Bedarf der Menschheit leicht decken würde - man müsste zunächst erschließen. In Island entsteht derzeit wohl eines der ambitioniertesten Projekte. Geologen bohren auf der Halbinsel Reykjanesskagi buchstäblich in das Herz eines Vulkans. Wie die BBC berichtet, soll noch in diesem Jahr das fünf Kilometer Bohrloch vollendet sein. Rund 4,5 Kilometer sind bereits geschafft.

 

Zwar existiert auch im oberbayerischen Sauerlach ein Geother-mie-Kraftwerk mit einer Bohrtiefe von mehr als 5000 Metern. Allerdings liegt die Wassertemperatur dort bei gerade mal 143 Grad Celsius. In Island herrschen jedoch andere Bedingungen: Das Land liegt genau zwischen zwei großen tektonischen Platten, glühend heißes Magma befindet sich vergleichsweise nah unter der Oberfläche. Die Macher hinter dem Iceland Deep Drilling Project (IDDP) hoffen daher, in der Tiefe auf rund 500 Grad Celsius heißes Gestein und Wasser zu stoßen. Damit wäre es das heißeste Bohrloch der Welt.

 

Hat Wasser eine Temperatur von mehr als 374 Grad Celsius, handelt es sich um sogenanntes überkritisches Wasser. Dieses ist aufgrund seines extrem hohen Drucks immer noch flüssig, besitzt aber auch Eigenschaften eines Gases. Das IDDP-Team willen es an die Oberfläche pumpen und zur Stromerzeugung einsetzen. Sie hoffen, dabei rund zehn Mal so viel Energie erzeugen zu können wie ein gewöhnliches Geothermie-Kraftwerk. Allerdings ist noch offen, wie viel Energie dieses Bohrloch produzieren kann, da es sich um ein Experiment handelt.

 

Wird Island in Zukunft zum Strom-Exporteur?

In Großbritannien wird man das Projekt mit Interesse verfolgen. Schließlich existieren bereits Pläne, das geothermale Potential Islands zu nutzen. Ein gigantisches Stromkabel soll den aus Geothermie gewonnenen Strom von der Atlantik-Insel in das Vereinigte Königreich transportieren. Island könnte aufgrund seiner geologischen Beschaffenheit bald sogar zum Groß- Exporteur von Strom werden. Bereits heute erzeugt das Land 25 Prozent seines Strombedarfs mit der Kraft aus der Erde. Eine neue Generation von mit überkritischem Wasser arbeitenden Kraftwerken könnte die Kapazitäten bald deutlich erhöhen.

 

Auch in anderen Regionen der Welt ist die Geothermie auf dem Vormarsch. Auf der indonesischen Insel Sumatra etwa bauen Unternehmen aus Japan derzeit das größte alleinstehende geo- thermale Kraftwerk der Welt. Es soll nach seiner Fertigstellung eine Leistung von rund 320 Megawatt besitzen - etwa ein Drittel eines durchschnittlichen Atomkraftwerks. Auch in Kenia boomt derzeit die Geothermie. Dort hat sich die Stromerzeu- gung mit Erdwärme in den vergangenen 15 Jahren mehr als verzehnfacht. Mittlerweile wird die Hälfte des verbrauchten Stroms in Kenia mithilfe von Geothermie gewonnen.

 

 

Quelle: Kai Stoppel für n-tv, Foto: Statoil

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