07.01.2019

Grönländischer Eisschild setzt tonnenweise Methan frei

Der Grönländische Eisschild setzt offenbar tonnenweise Methan frei. Wie Messungen nahelegen, gelangt das potente Treibhausgas während der Tauperiode im Sommer kontinuierlich mit Schmelzwasser an die Oberfläche. Damit könnte der Eisschild erheblich zu den globalen Emissionen des Klimagases beitragen. Ein ähnliches Phänomen sei zudem auch für die Antarktis vorstellbar, berichten die Forscher im Fachmagazin Nature.

 

Die Wirkung des Treibhausgases Methan ist rund 20- bis 30-mal so hoch wie die von Kohlendioxid. Neben menschlichen Aktivitäten wie die Erdgasgewinnung oder die Viehzucht tragen auch natürliche Quellen zur Freisetzung dieses hochwirksamen Klimagases in die Atmosphäre bei – zum Beispiel Feuchtgebiete und Sümpfe. Hier entsteht Methan, wenn Mikroorganismen im Boden organisches Material unter Ausschluss von Sauerstoff zersetzen – und wird dann nach und nach über die Wasseroberfläche freigesetzt.

 

Außerdem gelangt Methan zunehmend durch tauenden Permafrost in die Luft, der durch den Klimawandel immer weiter auf dem Rückzug ist. Eine weitere Methanquelle haben nun Wissenschaftler um Guillaume Lamarche-Gagnon von der University of Bristol ausgemacht: den Grönländischen Eisschild.

 

Klimagas im Eis

Zwar war bereits bekannt, dass auch im Eis Grönlands Methan eingeschlossen ist. Unklar blieb jedoch, ob das Klimagas tatsächlich von dort in die Atmosphäre gelangt – und wenn ja, wie viel. „Es existieren bisher keine Daten zum Methan-Fußabdruck von Eisschilden“, schreibt das Forscherteam. Um dies zu ändern, untersuchten Lamarche-Gagnon und seine Kollegen das Schmelzwasser, das in den Sommermonaten aus einem rund 600 Quadratkilometer großen Bereich unter dem Eis hervorströmte.

 

Ihre Messungen mithilfe spezieller Sensoren ergaben: Tatsächlich wird mit dem Schmelzwasserstrom kontinuierlich auch Methan an die Oberfläche transportiert: „Unter dem Eis produziertes Methan entweicht aus dem Eisschild in großen, schnell strömenden Flüssen“, berichtet Co-Autorin Jemma Wadham. „Wir wussten, dass Methan-produzierende Mikroben in subglazialen Umgebungen vorkommen und dort womöglich eine wichtige Rolle spielen. Nun aber ist klar: Die Mikroorganismen unter dem Eis üben wahrscheinlich sogar einen Einfluss auf andere Systeme der Erde aus“, konstatiert Lamarche-Gagnon.

 

Weitere Methanquelle Antarktis?

Den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge gelangten während der Tauperiode allein aus dem von ihrer Messstelle berücksichtigten Areal des Eisschilds mindestens sechs Tonnen Methan in die Atmosphäre. Wie viel der Eisschild insgesamt zur Methanbilanz beiträgt, lässt sich derzeit allerdings noch nicht abschätzen. Künftig wollen sich die Forscher der Bedeutung des Grönländischen Eisschilds als Methanquelle genauer widmen – und haben gleichzeitig bereits ein weiteres Ziel im Visier: die Antarktis.

 

Als weltweit größte permanent vereiste Fläche könnte der Antarktische Eisschild noch weitaus mehr Methan enthalten – tatsächlich haben Wissenschaftler das Klimagas dort bereits in subglazialen Seen nachgewiesen. „Unter dem Antarktischen Eisschild sind womöglich Methanmengen eingeschlossen, die die Größenordnungen unter den arktischen Eismassen deutlich übersteigen. Wie in Grönland ist es auch dort an der Zeit, robuste Daten zu generieren“, schließt Lamarche-Gagnon.

 

 

Quelle: Daniela Albat für Scinexx

Foto: Christine Zenino/Wikimedia Commons

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