18.05.2019

Nordsee: Expedition sucht das versunkene Doggerland

Wenn man heute an der Nordküste der englischen Grafschaft Norfolk am spätviktorianischen Pier der Stadt Cromer steht, blickt man in die düstere und wenig einladende Nordsee. Aber vor rund 10.000 Jahren – nach geologischer Zeitmessung lediglich ein Wimpernschlag – sah es dort ganz anders aus und dort befand sich eine blühende und fruchtbare Landschaft.

 

Bis zum Meeresanstieg nach der letzten Kaltzeit (Weichseleiszeit) gab es eine zusammenhängende Landmasse zwischen den Britischen Inseln und Kontinentaleuropa, die für einige Jahrtausende von mittelsteinzeitlichen Jägern und Sammlern besiedelt war, heute nennen wir dieses Land »Doggerland«. Es hatte ungefähr eine Fläche von 23.000 km² und verband in der südlichen Nordsee die heutigen Niederlande, Deutschland und Dänemark mit der Ostküste Großbritanniens. Mit dem Anstieg des Meeresspiegels vor 10.000 Jahren bis vor 8.000 Jahren, das von dem Zusammenbruch nordamerikanischen Inlandeises verursacht wurde, wurde Doggerland schließlich unter der Meeresoberfläche begraben.

 

 

Doggerland scheint aber während der Mittelsteinzeit über eine üppige Vegetation für Tiere und Pflanzen verfügt zu haben, die den damaligen Jägern und Sammlern optimale Lebensbedingungen und reichlich Nahrung bot. Als der Meeresspiegel langsam um 35 Meter anstieg, waren die Bewohner wahrscheinlich gezwungen, sich neue Lebensräume suchen. Ob es jedoch tatsächlich auf dem heute von der Nordsee bedeckten Land einst auch Siedlungen gab, ist bis heute nicht eindeutig belegt.

 

In 2012 präsentierten Geoforscher der »University of St. Andrews« in Schottland ihre Studie über die tatsächliche Größe von Doggerland. Sie hatten die Daten der Ölfirmen über den Nordseegrund mit der Klimageschichte und archäologischen Funden verglichen und das untergegangene Land rekonstruiert. Dabei stellte sich heraus, dass Doggerland wesentlich größer war, als es in unseren Büchern gelehrt wird.

 

Nun ist am 7. Mai eine britisch-belgische Forschungsexpedition mit dem Forschungsschiff »RV Belgica« zur sogenannten Brown Bank aufgebrochen, um dort elf Tage lang gezielt nach Siedlungsspuren zu suchen. In 2018 hatte nämlich ein Forscherteam des »Lost Frontiers«-Projekts im Sediment der Brown Bank von Menschen bearbeitete Tierknochen, Steinwerkzeuge sowie einige menschliche Knochen gefunden. Geplant sind exaktere Sonarkartierungen durchzuführen und weitere Sedimentbohrkern-Proben zu entnehmen, um unter anderem nach Pollen, Pflanzen- und Tier-DNA sowie möglichen Indizien für die Existenz des vermuteten eiszeitlichen Sees und menschliche Siedlungsspuren zu suchen.

 

 

© Fernando Calvo*, Foto: University of St Andrews 

Die Karte zeigt Doggerland (rot) nach der Analyse der »University of St. Andrews«. Man erkennt, dass es deutlich größer gewesen zu sein scheint, als man es in den Lehrbüchern darstellt.
Die Karte zeigt Doggerland (rot) nach der Analyse der »University of St. Andrews«. Man erkennt, dass es deutlich größer gewesen zu sein scheint, als man es in den Lehrbüchern darstellt.

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