14.11.2018

»Verlorene« Kontinente in der Antarktis entdeckt

Die mächtigen Eisschilde der Antarktis verhindern einen Blick auf den Untergrund. Doch mit Hilfe von Schwerkraftanomalien könnten Geologen die Plattentektonik am Südpol enthüllen.

 

Unter dem Eis der Antarktis verstecken sich gewaltige Landschaften – etwa gigantische Täler oder ein verstecktes Gebirge, das kaum Spuren von Alterung aufweist. Angesichts der Eismassen am Südpol lassen sich diese Formationen kaum nachweisen, geschweige denn richtig untersuchen. Und deshalb wissen Geologen bislang auch relativ wenig über die komplexe plattentektonische Struktur des Südkontinents. Dank des – mittlerweile auch nicht mehr aktiven – GOCE-Satelliten der ESA können die Wissenschaftler jedoch über die lokalen Schwankungen im Schwerefeld der Erde ableiten, wie der Untergrund aussieht. Dabei stießen sie die Überreste längst vergangener Kontinente, wie Jörg Ebbing von der Universität Kiel und seine Kollegen in Scientific Reports schreiben.

 

Die Studie ermögliche eine Ansicht der Kontinentalkruste des obersten Mantels der Erde, die mit globalen seismischen Modellen allein zuvor nicht darstellbar war, erläutern Ebbing und Co in einer Mitteilung. Mit Hilfe der GOCE-Daten und seismologisacher Analysen konnten sie ein dreidimensionales Bild der globalen Plattentektonik entwickeln – selbst unter der Antarktis, aus der ansonsten kaum Auswertungen verfügbar sind. „In der Ostantarktis sehen wir ein spannendes Mosaik geologischer Formationen, die fundamentale Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der antarktischen Kruste und anderen Kontinenten erkennen lassen, mit denen sie vor 160 Millionen Jahren verbunden war“, so der an der Arbeit beteiligte Fausto Ferraccioli vom British Antarctic Survey.

 

Die Westantarktis weist zudem eine deutlich dünnere Kruste auf als die Ostantarktis. Der kleinere westliche Teil des Kontinents besteht vor allem aus gebirgig gefalteten Plattenbruchstücken und sehr alten Kratonen, welche ursprünglich die ersten zentralen Bestandteile der Kontinente bildeten und heute in größere Landmassen eingebettet sind. Diese Bereiche ähneln Regionen in Indien und Australien, mit denen die Antarktis einst im Superkontinent Gondwana verbunden war, bevor dieser vor 130 Millionen zu zerbrechen begann. Australien und die Antarktis lösten sich erst vor 55 Millionen Jahren endgültig voneinander.

 

 

Quelle: Daniel Lingenhöhl für Spektrum der Wissenschaft

Foto: Kiel University/BAS 

Dieses 3D-Bild zeigt, wie es unter dem Eis der Antarktis aussieht.
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