21.12.2016

Was passiert bei einem Asteroideneinschlag im Meer?

Ein 250-Meter-Brocken stürzt aus dem All in den Ozean - und erzeugt einen Platscher gigantischen Ausmaßes. Nur die Wellen wären weniger hollywoodtauglich als gedacht.

 

Rund 70 Prozent der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Asteroiden schlagen darum eher im Ozean ein als auf dem Land. Was an der Einschlagstelle eines 100 bis 250 Meter großen Brockens passiert, haben Forscher des Los Alamos National Laboratory mit Hilfe von Supercomputern berechnet und visualisiert. Die Simulation zeigt: Auch wenn auf Hoher See kaum jemand direkt von den Gesteinsbrocken erschlagen wer- den würde, könnten die Folgen für die Menschheit beträchtlich sein.

 

Laut der Simulation werden gewaltige Wassermengen - im Bereich von mehreren hundert Megatonnen - verdampfen und im ungünstigsten Fall bis in die Stratosphäre aufsteigen. Dort können sie über Monate bis Jahre erhalten bleiben und einen Treibhauseffekt hervorrufen. Dessen Auswirkungen bekäme die Menschheit viel stärker zu spüren als die unmittelbare Wucht des Aufpralls.

 

Gewaltige Tsunamis, die Küstenstädte überrollen, und andere Zerstörungsszenarien, wie man sie aus Katastrophenfilmen kennt, sind von Asteroiden dieser Größe nicht zu erwarten. Die Wellen, die sich ringförmig um die Einschlagstelle ausbreiten, verlieren schnell an Energie und entsprächen schon in geringer Entfernung von »Ground Zero« nur noch den Wellen eines tropischen Sturms. Erst wenn der Einschlagspunkt weniger als 20 Kilometer von der Küste entfernt liegen würde, käme es zur Zerstörung von Städten - durch Tsunamis, aber auch durch Druckwellen und Hitze.

 

Einen beträchtlichen Unterschied macht es, ob der Asteroid bis zum Aufprall am Stück bleibt, oder ob er bereits in der Luft explodiert, wie etwa der rund 20 Meter große Tscheljabinsk-Meteorit, der im Jahr 2013 über Russland niederging. Sollte dies der Fall sein, sind die Auswirkungen auf die Wasseroberfläche erheblich geringer, ergab die Simulation.

 

Die inzwischen mehrfach preisgekrönte 3-D-Visualisierung der Einschlagssimulation veranschaulicht, welche gewaltigen Kräfte im Zentrum des Impakts auftreten. In rötlichen Farbtönen sind Stellen mit einem hohen Anteil von Gesteinsmaterial dargestellt, blaue Töne repräsentieren das Meerwasser und gelbe die Temperatur. Der Ozean ist im simulierten, 46 mal 24 Kilometer großen Areal 5000 Meter tief. Auffällig ist, wie bei manchen Einschlägen Wasserdampf und Gesteinsmaterial den Weg des Meteoriten zurückverfolgen. Offenbar reißt der Brocken durch seine extrem hohe Geschwindigkeit einen luftleeren Kanal in die Atmosphäre, in den dann das Material von der Einschlagstelle hineingesaugt wird.

 

 

Quelle: Jan Dönges  für Spektrum der Wissenschaft

Foto: Don Davis/Wikipedia

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