14.07.2019

War Homo sapiens schon vor 210.000 Jahren in Europa?

Dass Afrika die Wiege der Menschheit ist und sich der Homo sapiens von dort aus auf den Weg nach Europa machte, ist unbestritten. Die Untersuchung eines Schädels deutet nun allerdings darauf hin, dass er dort schon 150.000 Jahre früher ankam als gedacht. Es gibt allerdings auch Zweifel.

 

Der Homo sapiens hat Europa schon vor 210.000 Jahren und damit 150.000 Jahre früher erreicht als bisher gedacht. Darauf deuten neue Untersuchungen der Universitäten Tübingen und Athen an einem bereits in den 70er Jahren gefundenen Schädel hin, deren Ergebnisse im Fachmagazin »Nature« veröffentlicht wurden. Damit handle es sich um den ältesten modernen Menschen, der außerhalb Afrikas gefunden wurde.

Der Schädel war in den 70er-Jahren zusammen mit einem anderen Schädel bei Ausgrabungen in der Apidima-Höhle in Südgriechenland entdeckt worden. Forscher aus Tübingen und Athen untersuchten nun die als Apidima 1 und Apidima 2 bezeichneten Schädel mit modernsten Methoden und rekonstruierten dabei unter anderem virtuell die beschädigten Partien des Kopfs. Zudem seien Vergleichsanalysen mit verschiedenen menschlichen Fossilien vorgenommen und mit einer sogenannten radiometrischen Datierungsmethode das Alter ermittelt worden.

 

Wie die Tübinger Professorin Katerina Harvati erklärte, ergaben die Untersuchungen bei Apidima 2 ein Alter von 170.000 Jahren. „Den Schädel konnten wir Neandertalern zuordnen - überraschenderweise ist Apidima 1 noch älter, etwa 210.000 Jahre, weist aber keine Neandertaler-Merkmale auf." Vielmehr habe die Untersuchung eine Mischung aus Merkmalen des modernen Menschen und solchen älterer Arten gezeigt, was auf einen frühen Homo sapiens hindeute.

 

Die Ergebnisse legten nahe, dass in der Zeit des Mittelpleistozän im heutigen Süden Griechenlands mindestens zwei Menschengruppen lebten - erst eine frühe Population des Homo sapiens und später eine Gruppe Neandertaler. Dies stütze die Hypothese, dass sich die frühen modernen Menschen vielfach und in verschiedenen Wellen außerhalb von Afrika ausbreiteten.

 

Südosteuropa bedeutend für menschliche Evolution

„Wir gehen davon aus, dass die frühe Population anatomisch moderner Menschen - repräsentiert durch Schädel Apidima 1 - wie im Nahen Osten von Neandertalern abgelöst wurde", beschrieb Harvati ein mögliches Szenario. Deren Anwesenheit in Südgriechenland sei gut dokumentiert, auch durch den Apidima-2-Schädel.

 

„Die Neandertaler mussten wiederum im Spätpaläolithikum, vor etwa 40.000 Jahren, weichen, als sich neu angekommene anatomisch moderne Menschen in der Region und in ganz Europa niederließen." Auch dies sei unter anderem durch Funde bearbeiteter Steinwerkzeuge dokumentiert. Ungefähr zu dieser Zeit starben die Neandertaler aus. „Unsere Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung Südosteuropas für die menschliche Evolution", erklärte Harvati.

 

„Es braucht mehr und bessere Fossilien"

Nach Angaben von Faysal Bibi vom Museum für Naturkunde in Berlin fügen sich die Forschungsergebnisse in eine Reihe von Entdeckungen der vergangenen Jahre etwa aus Israel oder China, die die Geschichte des Homo sapiens immer älter und komplexer scheinen lassen. Er äußerte aber Vorbehalte, weil die jetzt neu interpretierten Schädelknochen aus Griechenland nur noch in Bruchstücken vorhanden sind. Zudem sei die von den Forschern verwendete radiometrische Datierungsmethode umstritten. In der Vergangenheit habe sie oft falsche Ergebnisse geliefert.

 

„Es braucht mehr und bessere Fossilien, um jeden zu überzeugen, dass Homo sapiens so früh in Griechenland lebte, und Daten zur Bestätigung", sagte Bibi. „Die neue Studie liefert aber exzellente Gründe, um weiter nach neuen Entdeckungen zu suchen."

 

Die Wissenschaftler planen nun auch weitere Untersuchungen der noch über die beiden Schädel hinausgehenden Funde aus Apidima. Diese Funde spielten nach den neuen Erkenntnissen eine noch wichtigere Rolle für die menschliche Evolution als bereits angenommen. Die nun veröffentlichte Publikation sei die erste einer Reihe detaillierter Untersuchungen, die nun die Universitäten aus Tübingen und Athen vornehmen wollen.

 

 

Quelle: n-tv, Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons


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