06.01.2017

Intelligenz von Hühnern wird unterschätzt

Mit einem Huhn möchte niemand verglichen werden, gelten sie doch sprichwörtlich als dumm. Doch das Geflügel ist intelligenter als wir denken: Es ist empathisch, gewitzt, kann logisch denken und zählen.

 

Zugegeben, auf den ersten Blick machen Hühner nicht gerade einen cleveren Eindruck. Doch das täuscht. Die US-Biologin Lori Marino bricht in einem Aufsatz im Fachblatt »Animal Cognition« eine Lanze für das Federvieh. Zahlreiche Studien belegen inzwischen, dass Hühner intelligenter sind als gemeinhin angenommen. So können sie beispielsweise zählen - und das sogar schon als Küken. Frisch geschlüpfte Hühner können große und kleine Mengen voneinander unterscheiden und der Größe nach ordnen. Außerdem können sie einfache Rechenaufgaben wie Addieren und Subtrahieren lösen. Das Geflügel hat nicht nur ein Verständnis für Mathe, sondern auch für Physik: Die Tiere können sich die Flugbahn eines Balles merken und voraus-sagen, wo er auftreffen wird. Mit dieser Fähigkeit stehen sie Primaten in nichts nach, so Marino. Außerdem besitzen Hühner ein gewisses Verständnis für Zeit. Wird ihnen ein schmack-hafteres Futter in naher Zukunft in Aussicht gestellt, warten sie lieber ab. Sie können sich also selbst beherrschen und fressen nicht gierig los.

 

Diese Fähigkeit und das Wissen über den Rang in der Hackordnung spricht laut der Tierschützerin dafür, dass Hühner eine Art Selbstbewusstsein besitzen. Und das Federvieh hat Persönlichkeit: Die einen sind neugierig und mutig, die anderen eher ängstlich und schüchtern. Zudem sind die Vögel empa- thisch und zeigen ihren Artgenossen gegenüber Mitgefühl. Wurden Küken mit einem Luftstoß angeblasen, zeigten sich bei den Glucken ähnliche Stresssymptome wie bei dem aufge-schreckten Nachwuchs. Doch Hühner können auch anders: So täuschen unterlegene Hähne den Alpha-Hahn mit falschen Rufen bei gefundenem Futter. Und apropos Laute: Hühner verfügen über ein Repertoire von 24 unterschiedlichen Laut- äußerungen, mit denen sie untereinander kommunizieren.

 

Aufgrund dieser erstaunlichen Fähigkeiten wäre es höchste Zeit, unsere Vorurteile gegenüber diesen Tieren aufzugeben. Und wichtiger: die Massentierhaltung von Hühnern zu überdenken, so Marino. Denn zu Hunderten oder gar Tausenden in viel zu kleine Ställe eingepfercht zu sein, wird dem schlauen Geflügel nicht gerecht.

 

 

Quelle: Viola Ulrich für Die Welt

Foto: Baksteendegeweldige/Wikimedia

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