12.05.2017

Mysteriöses Insekt bedroht Süden der USA

Sie sind klein, und sie sind viele: Eine gefräßige Läuseart breitet sich rasant im Süden der USA aus und vernichtet Schilfrohr. Experten rätseln über den Ursprung der Plage. Stammen die Schädlinge aus Asien?

 

Eine mysteriöse Insektenspezies bedroht die Vegetation an der Mündung des Mississippis im US-Bundesstaat Louisiana. Seit Monaten befallen die winzigen Tierchen das Schilfrohr entlang des Flusses und saugen den Pflanzensaft aus den Stängeln. Augenzeugenberichten zufolge sollen Wasserpflanzen seit dem Herbst 2016 auf einer Fläche von zehntausenden Hektar abgestorben sein, was erhebliche Auswirkungen auf das sensible Ökosystem der Region haben könnte.

 

Behörden und Wissenschaftler wollen der Invasion daher schnellstmöglich begegnen. Die Experten sehen sich aber mit einem grundlegenden Problem konfrontiert: Sie wissen bisher nicht, mit was für einer Art sie es genau zu tun haben. Laut einem Bericht der »Washington Post« deuten erste Labor-analysen darauf hin, dass die Schädlinge zur Familie der Aclerdidae gehören, einer Läusefamilie, die eigentlich in China und Japan heimisch ist. Wie sie an den Südzipfel des Verwaltungsbezirks Plaquemines Parish gelangen konnten, ist bisher unklar. Denkbar sind unter anderem die Reise per Schiff oder auf dem Körper eines Zugvogels.

 

Ebenso unsicher ist, wie man die Tierchen, die mit bloßem Auge kaum zu sehen sind und deren Körper hell wie Milchglas ist, am besten bekämpfen kann. Biologen diskutieren verschiedene Vorgehensweisen, etwa das großflächige Versprühen von Insektiziden oder Brandrodung. Eine Option könnte auch das Aussetzen einer asiatischen Wespenart sein, die sich von Verwandten der Schädlinge ernährt. Jede dieser Strategien birgt allerdings Risiken, und es ist nicht sicher, ob sich so die invasive Art aus dem Ökosystem verdrängen ließe.

 

Das Schilf an der Mississippi-Mündung erfüllt eine wichtige Funktion im Ökosystem: Die Wurzeln der zweieinhalb Meter langen Wasserpflanzen schützen die Küstenlinie vor Erosion, die an dem exponierten Ufer seit Langem ein Problem ist. Die Pflanzen, die zum Teil selbst invasiv sind, haben sich in einigen Regionen entlang des Mississippis in der Vergangenheit sehr schnell ausgebreitet, weshalb mancher Anwohner ihr Absterben begrüßen dürfte. Biologen warnen jedoch vor dieser Haltung: Es sei nicht unwahrscheinlich, dass die Insekten weitere Pflanzen befallen, nachdem sie sämtliches Schilfrohr vernichtet haben.

 

 

Quelle: Robert Gastfür Spektrum der Wissenschaft

Foto: Elise Amendola/AP

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