29.07.2019

Wie gut ist das Arbeitsgedächtnis von Schimpansen?

Schimpansen sind unsere engsten Verwandten und sie kommen uns in vielen Fähigkeiten durchaus nahe. Jetzt haben Forscher in einem Experiment getestet, wie es mit dem Arbeitsgedächtnis der Menschenaffen aussieht. Das Ergebnis: in vielem ähnelt das Arbeitsgedächtnis der Schimpansen durchaus dem unsrigen. Es hat eine ähnliche Kapazität und kann sich auch fortlaufend an geänderte Bedingungen anpassen. Allerdings: Ähnlich wie kleinere Kinder verwendeten die Schimpansen im Test keine Suchstrategien.

 

Schimpansen sind uns in vielem sehr ähnlich: Sie besitzen ein komplexes Sozialverhalten, sie erkennen sich selbst im Spiegel und im Video und besitzen auch einen Sinn für Fairness. Sogar kulturelle Traditionen werden in Schimpansengruppen etabliert und weitergegeben. Ihre große Lernfähigkeit zeigt zudem, dass die Menschenaffen ein gutes Langzeitgedächtnis besitzen. Weniger gut war bisher allerdings bekannt, wie gut das Arbeitsgedächtnis der Schimpansen ist – die Erinnerungsfähigkeit, die für die meisten Alltagsaufgaben entscheidend ist.

Welche Box hatte ich schon?

Ein wesentliches Merkmal des menschlichen Arbeitsgedächtnisses ist es, dass es fortlaufend aktualisiert wird: Wenn wir beispielsweise unseren verlegten Schlüssel suchen, merken wir uns dabei, wo wir überall schon gesucht haben. Aber können dies auch die Schimpansen? Um das herauszufinden, haben Christoph Völter von der University of St Andrews und seine Kollegen neun Schimpansen auf die Probe gestellt. Im Experiment schauten die Schimpansen zunächst zu, wie ein Mensch Futter unter mehrere undurchsichtigen Boxen versteckte.

 

Nach einer kurzen Pause begann der Test: Die Menschenaffen konnten eine Box auswählen, indem sie auf sie zeigten. War Futter enthalten, erhielten sie diese als Belohnung. Nach jeder Wahl wurden die Boxen für 15 Sekunden abgedeckt, dann durften die Schimpansen erneut wählen. Der Clou dabei: Die Menschenaffen bekamen nur dann alle Futterstücke, wenn sie gezielt nur auf die noch vollen Boxen zeigten. Dafür aber mussten sie sich merken, welche Box sie bereits im vorherigen Durchgang geleert hatten. In einer Testvariante nutzten die Forscher dabei als Merkhilfe in Form und Farbe unterschiedliche Boxen, in einer zweiten Varianten sahen alle Boxen gleich aus, blieben aber während der gesamten Zeit immer in der gleichen Reihenfolge stehen.

 

Wie ein Grundschulkind

Das Ergebnis: „Neun von 13 Schimpansen vermieden es von Beginn an, zuvor bereits gewählte Boxen noch einmal auszuwählen“, berichten Völter und sein Team. Im Schnitt erinnerten sich die Tiere mindestens an vier zuvor ausgewählte Boxen, ein junger Schimpanse sogar an mehr als sieben Boxen. Damit entspricht die Merkfähigkeit der Menschenaffen in diesem Test relativ gut dem Abschneiden von siebenjährigen Schulkindern, wie die Forscher erklären. Ähnlich wie bei uns Menschen sank die Gedächtnisleistung der Menschenaffen mit steigender Anzahl von Boxen, mit zunehmendem zeitlichen Abstand zwischen den Durchgängen und bei Ablenkung deutlich ab. Eine weitere Parallele war der Zusammenhang mit visuellen Merkhilfen: Sahen die Boxen alle gleich aus, fiel es den Schimpansen schwerer, sich die schon besuchten zu merken als wenn sich die Boxen in Farbe und Form unterschieden.

 

Nach Ansicht der Forscher belegen diese Ergebnisse, dass das Arbeitsgedächtnis dem des Menschen durchaus ähnlich ist. Es erlaubt ihnen, sich fortlaufend an eine Reihe von vorangegangen Ereignissen und Handlungen zu erinnern uns auch ihre Arbeitsgedächtniskapazität scheint sich nicht grundlegend von der des Menschen zu unterschieden. Einen entscheidenden Unterschied gibt es allerdings: Anders als wir Menschen verwenden die Schimpansen keine systematische Suchstrategie, um die Aufgabe zu erleichtern. Keiner der Schimpansen kam auf die Idee, die Boxen der Reihe nach zu durchsuchen. „Das Fehlen einer solchen Suchstrategie könnte ein vielversprechender Kandidat sein, wenn es um grundlegende Unterschiede zwischen Mensch und Menschenaffen geht“, sagen die Forscher. Denn mithilfe solcher Strategien könne wir uns mehr Dinge merken als einzeln ins Arbeitsgedächtnis passen würden.

 

 

Quelle: Nadja Podbregar für bild der wissenschaft

Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons

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