29.05.2018

Aborigines haben Australien gezielt besiedelt

Wie erreichten die Vorfahren der heutigen Aborigines einst Australien? Einer Studie zufolge sind sie dort nicht zufällig gestrandet, wie man vermuten könnte. Es zeichnet sich hingegen ab, dass sie geplante Überfahrten von indonesischen Inseln aus zu dem neuen Land unternommen haben.

 

Er verließ seine Heimat Afrika und breitete sich Stück für Stück über die Welt aus: Nachdem der moderne Mensch Südasien, Ozeanien und den Süden Indonesiens erreicht hatte, gelangte er schließlich auch bis nach Australien. Über die genaue Ankunftszeit gibt es Unklarheiten. Die gängigste Theorie geht aber davon aus, dass die Vorfahren der Aborigines vor mindestens 50.000 Jahren die südliche Landmasse erreicht haben. Doch wie eigentlich? Haben sie Meeresströmungen auf primitiven Flößen per Zufall von Indonesien aus an die Nordküste des Kontinents gespült?

Dieser Blick auf Nordwest-Australien zeigt eine inzwischen unter Wasser liegende Inselkette zwischen Australien und Timor / Roti. Die derzeitige Küstenlinie ist schwarz dargestellt. Die Küstenlinie mit der damaligen Meereshöhe erscheint als graue Linie.
Dieser Blick auf Nordwest-Australien zeigt eine inzwischen unter Wasser liegende Inselkette zwischen Australien und Timor / Roti. Die derzeitige Küstenlinie ist schwarz dargestellt. Die Küstenlinie mit der damaligen Meereshöhe erscheint als graue Linie.

Simulierte Überfahrten

Klar ist: In der fraglichen Zeit waren die Küstenverläufe in der Region ganz anders als heute. Der Meeresspiegel lag etwa 75 Meter tiefer und so trennte nur ein vergleichsweise schmaler Meeresstreifen mit zahlreichen Inseln Australien vom Rest der Welt. Wie Menschen damals von den indonesischen Inseln Timor und Roti nach Australien gelangt sein könnten, haben die Forscher um Michael Bird von der australischen James Cook University nun durch Simulationen untersucht. Als Grundlage dienten ihnen dazu Modellierungen der einstigen Küstenverläufe in der Region. Bezüglich der Überfahrten berücksichtigten sie viele Faktoren wie Wind, Meeresströmungen und aktives Paddeln der Menschen bei einer Seereise.

 

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Kolonisierung Australiens kein Zufall war“, sagt Bird. „Die Modellierungen zeigen, dass ein zufälliges Driften wohl nicht zu erfolgreichen Überquerungen geführt hätte. Stattdessen war die Ankunft an der jetzt unter Wasser liegenden Nordwestküste Australiens eher das Ergebnis bewusster Bootsfahrten“, so der Wissenschaftler. Den Forschern zufolge war eine Überfahrt zu den Inseln im Norden Australiens im Rahmen von vier bis sieben Tagen möglich. Die Ziele waren von Höhenlagen auf den indonesischen Inseln Timor und Roti auch teilweise am Horizont sichtbar, sagen die Forscher.

 

Inseln vor Australien im Visier

Wie sie berichten, legen zudem genetische Untersuchungsergebnisse eine gezielte Reise nach Australien nahe: Demnach bestand die Gründungspopulation der ersten Australier aus etwa 100 Menschen. Es erscheint wenig plausibel, dass eine solche vergleichsweise große Menschengruppe einst zufällig an der Küste des Kontinents angespült wurde. Unterm Strich zeichnet sich somit ab, dass diese Menschen gezielt zu den Inseln vor Australien aufgebrochen sind, wodurch sie schließlich auch den Kontinent erreichten.

 

„Zielgerichtete Reisen in dieser Größenordnung müssen auf fortgeschrittenen kognitiven, linguistischen, symbolischen und technischen Fähigkeiten beruht haben“, betont Co-Autor Sean Ulm vom Australian Research Council Centre of Excellence for Australian Biodiversity and Heritage (CSIRO). „Eine Seereise von bis zu einer Woche erforderte den Bau von Wasserfahrzeugen, gut entwickelte Navigationsfähigkeiten sowie Planung und Informationsaustausch.“ Somit ist ihm zufolge eine weitere wichtige Botschaft der Studie: Wir müssen vielleicht die Fähigkeiten der Menschen dieser Ära neu überdenken.

 

Quelle: Martin Vieweg für Bild der Wissenschaft

Foto: CSIRO 

 

VIDEO: 

(Diese Animation zeigt simulierte Reisen nach Australien von drei Standorten in Timor und Roti aus. Die heutige Küstenlinie ist dunkelgrau sichtbar. Die Küstenlinie mit dem damaligen Meeresspiegel ist hellgrau dargestellt (Animation von Rebecca Gorton, CSIRO). Von jedem Standort der Simulation fahren Boote ab mit einem von Wind, Meeresströmungen und minimalem Paddeln beeinflussten Fortschritt.) 

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