23.03.2016

In Herculaneum schrieb man schon vor 2.000 Jahren mit metallischer Tinte

Als 79 nach Christus der Vesuv ausbrach, begruben seine heißen Lavamassen nicht nur die Gebäude der antiken Stadt Herculaneum, sondern auch zahlreiche Schriftrollen, die, wie sich jetzt überraschenderweise herausgestellt hat, bereits mit bleihaltiger Tinte geschrieben wurden.

 

Es war die Nacht des 24. August, als der Vulkan sein Material herausschleuderte und die Stadt mit einer bis zu 20 Meter dicken heißen Ascheschicht überzog. Viele Jahrhunderte blieb die Katastrophe unter der Erde verborgen, bis man sie schließlich entdeckte und in 1750 n. Chr. auch gezielte Ausgra-bungen dort stattfanden, bei denen man unter anderem auch die Villa dei Papiri entdeckte. Darin befanden sich über 600 verkohlte Papyrusrollen, von denen man lediglich wusste, dass sie auch Werke griechischer Philosophen enthielten und aus der einzigen noch erhaltenen Bibliothek der griechisch-römischen Antike stammten. Eine Entzifferung der Schriftrollen konnte jedoch nicht durchgeführt werden, da die Gefahr bestand, dass die wertvollen Artefakte unwiderruflich zerstört werden könnten.

 

Im Januar 2015 verkündeten jedoch Wissenschaftler der multinationalen Großforschungseinrichtung European Synchro- tron Radiation Facility (ESRF) im französischen Grenoble, dass es ihnen gelungen sei, mittels verstärkter Röntgenstrahlen einzelne Buchstaben des griechischen Alphabets und einige Wörter auf den Schriftrollen zu entziffern. Jetzt haben die Forscher des ESRF im Fachmagazin »PNAS« neue Informationen zu ihrer Arbeit an den Rollen veröffentlicht und berichtet, dass es ihnen sogar gelungen sei, festzustellen, dass die Schriftstücke mit bleihaltige Tinte beschrieben wurden.

 

Dass auch die Schreiber von Herculaneum eine metallische Tinte benutzten, verblüffte die Forscher sehr, denn in seinen Werken hatte Plinius der Ältere geschildert, dass man seinerzeit nur Tuschen benutzte die man aus Holzofenruß zusammenmische. Und man verließ sich auf die Aussage des Gelehrten, denn er sollte es doch eigentlich als Zeitzeuge wissen, schließlich lebte er in der Nähe von Herculaneum, in Stabiae, als er ebenfalls zum Opfer des Vulkanausbruchs wurde. Die ältesten bekannten Schriftstücke, die mit metallischer Tinte verfasst wurden, stammen aus dem Jahre 420 n. Chr, und es handelte sich um sogenannte Eisengallustinte, einer seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. gebräuchliche dokumentenechte schwarze Tinte aus Eisen(II)-sulfat (Eisenvitriol), Galläpfeln bzw. Pflanzengallen, Wasser und Gummi arabicum (oder auch Kirsch- oder Pflaumengummi).

 

 

© Fernando Calvo, Foto: Emmanuel Brun, ESRF

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