18.05.2017

Warum betrieben präkolumbische Völker keine Seefahrt?

Es heißt doch immer, der Mensch habe sich deshalb so schnell rund um den Globus  verbreitet, weil ihm die natürliche Neugier trieb, neue Gebiete und vorteilhaftere Lebensräume zu erkunden. Doch wieso machten die präkolumbischen Völker eine Ausnahme?

 

Alle großen Kulturen betrieben Seefahrt, sowohl in lokalen Gewässern als auch in den Weltmeeren. Seien es die Wikinger, Chinesen, Ägypter oder sogar die alten Sumerer, Phönizier und Babylonier - alle betreiben Seefahrt. Aber wieso machten die Maya scheinbar eine Ausnahme? Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Maya jemals Seefahrt betrieben haben, weder auf ihren Flüssen noch auf hoher See. Scheinbar fischten sie stets nur in Küstennähe und hatten nie das Verlangen, den Horizont des Ozeans zu überqueren und die eventuellen neuen Welten dahinter zu entdecken. Ebenso auch die Azteken und die anderen Völker Mittel- und Südamerikas, sie alle mieden  ebenfalls die Seefahrt, obwohl ihr Reich sowohl die Pazifikküste als auch den Golf von Mexico in Sichtweite hatte, was die Sehnsucht in die Ferne durchaus geweckt haben dürfte. Aber wieso? Selbst die Osterinsel soll von den viel weiter entfernten Polynesiern besiedelt worden sein, obwohl es für die Maya ein viel Leichteres gewesen wäre.

 

Nun könnte man ja annehmen, dass die Maya es gar nicht nötig hatten, den Kontinent zu verlassen, da es auf ihm genügend Ressourcen gab. Ja sicher, aber woher sollten sie wissen, wie groß der Kontinent wirklich ist, wenn man ihn gar nicht kennt? Und wieso taten es andere Völker trotz vorhandener Ressour- cen? Und nicht zu vergessen, dass viele Maya-Metropolen eben deshalb verlassen worden sein sollen, weil sich die benötigten Umweltbedingungen dramatisch veränderte hatten -  wieso nutze man also nicht in dieser Zwangslage die Gelegenheit, Seefahrt zu betreiben?

 

Stets soll es doch die Neugier gewesen sein, die unsere Vor- fahren zu großen Wanderungen oder langen Seereisen getrie- ben haben soll. Dadurch wurden überhaupt alle Kontinente besiedelt und unsere Spezies weit verbreitet. Eine instinktive Lust zur Erkundung neuer Gebiete soll der Motor gewesen sein, weshalb der Mensch sich auf solche zum Teil gefährliche Abenteuer einließ. Bereits um 7000 v. Chr. soll der Mensch damit begonnen haben, Wasserfahrzeuge zu bauen, um damit auf das offene Meer zu fahren. Es gibt auch Wissenschaftler, die sogar unserem Vorfahren Homo erectus diese Fähigkeit zusprechen und behaupten, dass dieser Urmensch bereits vor rund 800.000 Jahren wahrscheinlich mit primitiven Flößen die kleine indonesische Insel Flores vom südostasiatischen Festland aus besiedelte.

 

Wieso also fuhren die Maya und überhaupt die präkolumbischen Völker nicht zur See? Könnte es sogar sein, dass sie das Meer mieden? Tatsächlich gibt es scheinbar nur eine einzige Maya-Stadt, die direkt am Meer errichtet wurde: Tulum. Diese Stätte liegt an der sogenannten Riviera Maya, einem Küsten-streifen an der Karibikküste von Mexiko, rund 130 Kilometer südlich von Cancún entfernt. Tulum wurde erst ab etwa 1200 n. Chr. besiedelt und gilt als eine der größten Städte der Halbinsel Yucatan. Von Tulum aus soll der Sternenhimmel beobachtet worden sein, dabei soll die Venus besonders im Mittelpunkt gestanden haben.

 

 

© Fernando Calvo, Foto: Dronepicr/Wikipedia

Tulum aus der Vogelperspektive
Tulum aus der Vogelperspektive

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