07.08.2019

Identität eines »Vampirs« aus dem 19. Jahrhundert ermittelt

Wissenschaftler konnten die Identität eines vermeintlichen »Vampirs« ermitteln, dessen Sarg vor fast 30 Jahren ausgegraben wurde.

 

Die rätselhafte Geschichte begann im Jahre 1990, als in einem Kieswerk in Griswold, US-Bundesstaat Connecticut, ein Holzsarg mit der Aufschrift »JB 55« ausgegraben wurde, in dem sich die die Knochen eines Mannes befanden. Der Fund war deshalb so besonders ungewöhnlich, weil diese rund 200 Jahre alten menschlichen Überreste auf eine ganz besondere Weise begraben worden waren und man den Toten offensichtlich für einen Vampir hielt.

Sein Schädel und seine Rippen waren sorgfältig so positioniert worden, dass Schädel und Knochen ein Kreuz darstellen, während seine Initialen und sein Alter mit Messingnägel auf dem Sarg geschrieben worden waren. Die Bestattung wies alle typischen Merkmale auf, wie man Anfang des 19. Jahrhunderts in Neuengland einen vermeintlichen Vampir behandelte.

 

Wissenschaftler vom SNA International in Alexandria (Virginia), des Armed Forces Medical Examiner System DNA Laboratory in Dover (Delaware) sowie vom National Museum of Health and Medicine in Silver Spring (Maryland) verbrachten den größten Teil der letzten drei Jahrzehnte damit, die Überreste zu untersuchen, um herauszufinden, wer dieser Mann war, den man offensichtlich so fürchtete. Ihre nun veröffentlichte Studie, die auch eine DNA-Analyse beinhaltete, zeigt, dass J.B. ein fleißiger, gesundheitlich angeschlagener Bauer war, der höchstwahrscheinlich an Tuberkulose starb.

 

„Dieser Fall ist seit den 90er-Jahren ein Rätsel", sagte die Kriminaltechnikerin Charla Marshall der The Washington Post. „Nun, da wir unsere technologischen Fähigkeiten weiterentwickelt haben, wollten wir JB 55 erneut besuchen, um zu sehen, ob wir das Geheimnis dessen lösen können, wer er war." Und die Forscher hatten Erfolg, wie sich herausstellte, lautet der Name des Mannes John Barber.

 

Es wird angenommen, dass die heimtückische Krankheit den armen Mann so schrecklich erscheinen ließ, dass sogar seine eigene Familien davon ausging, dass er ein Vampir war und seine Bestattung so durchgeführt haben, dass er nicht mehr als Untoter aus seinem Grab entsteigt. „Dies geschah aus Angst und aus Liebe", erklärte der Archäologe Nicholas F. Bellantoni. Denn die Menschen damals sahen keine andere Möglichkeit, ihre als Vampire verdächtigten Verwandten an der Wiederauferstehung zu hindern. Sie taten das sehr ungern aber sie glaubten, dadurch diejenigen schützen zu können, die noch am Leben waren. „Die Menschen waren verzweifelt", entschuldigt Bellantoni deren ungewöhnliches Verhalten.

 

 

© Fernando Calvo*, Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons

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