29.05.2019

Neue Bestattungsform: Kompostierung statt Beerdigung

Es soll kostengünstiger und umweltfreundlicher sein: Im US-Bundesstaat Washington wurde eine neue Form der Bestattung zugelassen. Menschen können sich dort nach ihrem Tod kompostieren lassen.

 

Bislang haben Angehörige zwei Optionen, ein verstorbenes Familienmitglied zu bestatten: Im Sarg beerdigen oder im Krematorium einäschern zu lassen. Der US-Bundesstaat Washington bietet ab dem 1. Mai 2020 eine dritte Möglichkeit: die natürliche Kompostierung.

 

Der Gouverneur unterzeichnete ein Gesetz, das künftig das Kompostieren von Leichnamen erlaubt. Damit ist Washington der erste Bundesstaat in den USA, der diese Option legalisiert. Die Idee kam Katrina Spade der Gründerin des Start-ups Recompose im Gespräch mit einem Freund: „Ein Freund rief mich an und erzählte mir von einem Verfahren, das Landwirte seit Jahrzehnten nutzen, um Tiere zu kompostieren. Da ging mir ein Licht auf."

 

 

Teststudie mit Freiwilligen

Spade, von Hause aus Designerin, beschäftigte sich da schon länger mit dem Thema Tod und wie das Ende des Lebensweges anders und umweltfreundlicher gestaltet werden kann. Könnte man vielleicht auch Körper von verstorbenen Menschen kompostieren? Sie sammelte Experten um sich und schaffte es, dass an der Universität von Washington eine Teststudie durchgeführt wird.

 

Eine Handvoll Freiwillige, allesamt todkrank, erklärte sich bereit, ihre Körper nach dem Tod für die Kompostierungsversuche zur Verfügung zu stellen. „Für einige ging es darum, in den natürlichen Kreislauf zurückzukehren. Die bisschen Nährstoffe, die der Körper vielleicht noch hergibt, an die Erde zurückzugeben, die den Körper sein ganzes Leben ernährt und unterstützt hat."

 

In vier Wochen abgebaut

Der Prozess klingt vergleichsweise einfach: Der oder die Tote wird in einem Behälter auf einen Mix von Holzspänen, Luzernen und Stroh gebettet und damit auch zugedeckt. Unter Sauerstoffzufuhr entstehen beim Kompostieren Temperaturen von etwa 50 bis 70 Grad Celsius. Innerhalb von vier Wochen werden so die menschlichen Überreste mithilfe von Mikroben abgebaut. Rund 5.000 Dollar soll der Prozess kosten, weniger als die klassischen Erd- oder Feuerbestattungen.

 

Gouverneur Jay Inslee findet dieses Verfahren nicht nur umweltfreundlicher und kostengünstiger: „Die Menschen haben jetzt mehr Wahlmöglichkeiten am Ende ihres Lebens." Ist die Kompostierung abgeschlossen, bleiben rund zwei Schubkarren voller Erde übrig. Diese kann von den Angehörigen mitgenommen und beispielsweise im heimischen Garten verteilt werden.

 

 

Quelle: Nicole Markwald für die ARD

Foto: Pixabay, Bearb. F. Calvo

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