15.03.2016

Torajaner lassen ihre Tote jährlich wieder »auferstehen«

Das Volk der Toraja lebt im Süden der indonesischen Insel Sulawesi und feiert jährlich ein sehr ungewöhnliches Ritual: Die Leichen ihrer Verwandten werden aus den Gräbern geholt und in ihrem Heimatdorf bis zu dem Ort getragen, an dem sie gestorben sind.

 

Das Bergvolk der Torajaner hat einen besonderen Glauben an das Leben nach dem Tod und für sie ist der Übergang von der Welt der Lebenden in das Jenseits, dem »Puya«, ein langwieriger Prozess, der bestimmten Regeln unterliegt. So wird der Körper der Verstorbenen nach ihrem Ableben zunächst einmal gereinigt und mit traditionellen Kräutern (oder auch Formaldehyd) einbalsamiert, um den Leichnam zu konservieren. So präpariert, werden sie anschließend vorerst im eigenen Haus oder in dem seiner Verwandten bis zu mehrere Monate aufbewahrt. Denn nach dem Glauben der Torajaner muss die gesamte Familie bei der Beerdigung anwesend sein und je nachdem wo sie wohnen, von dem Todesfall erfahren und anreisen können, kann es mitunter sehr lange dauern. Während dieser Zeit wird der Verstorbene weiterhin so behandelt, als wenn er noch am Leben wäre und als ganz normales Familienmitglied angesehen. Er wird gewaschen, mit sauberen Sachen eingekleidet und ihm wird sogar Essen angeboten, bis die zeremonielle Beerdigung schließlich vollzogen wird. Doch dies ist nur der erste Teil des Rituals, denn jedes Jahr wird diesen verstorbenen Angehörigen gedacht und man holt sie aus ihren Gräbern, um ihren Körper für einen Tag in die Welt der Lebenden zurück zu holen.

 

Für uns klingt es sicherlich gruselig und es lässt uns sofort an Leichenschändung denken, doch für die Torajaner ist es ein Ritual, das den Respekt gegenüber ihren Toten bezeugen soll. Es nennt sich »Ma'nene« und bedeutet so viel wie die »Reinigung der Toten« und das ist auch wörtlich zu nehmen, denn sobald die Leichen exhumiert wurden, werden sie gewaschen und mit sauberen Sachen eingekleidet. Dann werden sie durch das ganze Dorf, bis zu dem Platz getragen, an dem sie ihren letzten Atemzug gemacht haben. Schließlich werden die Leichen zurück in ihre Särge gelegt und ihre Steingräber wieder hergerichtet. Diese ganze Prozedur ist für die nächsten Angehörigen eine besondere Herausforderung, denn die Leichen strömen teilweise noch einen üblen Verwesungsgeruch aus, der selbst durch die Säuberung nicht völlig beseitigt werden kann.

 

 

© Fernando Calvo, Foto: Agung Parameswara

 

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