19.08.2016

US-Firma will tote Rockstars auf Tour schicken

Michael Jackson, Elvis Presley, Bob Marley — Tote Popstars verdienen auch im Jenseits mehr als viele noch lebende Musiker. Laut der aktuellen Forbes-Liste der bestverdienenden toten Berühmtheiten spielte der King of Pop im vergangenen Jahr 115 Millionen Dollar (rund 103 Mio. Euro) ein und degradierte so den King of Rock´n´Roll mit 55 Millionen Dollar (49 Mio. Euro) zum Vizekönig. Zweistellige Millionenbeträge erwirtschafteten auch Bob Marley und  John  Lennon. In  Anbetracht  dieser  unvermin-

derten Strahlkraft teils seit Jahrzehnten nicht mehr lebender Idole, könnte jetzt die Firma Eyellusion einen lang gehegten Traum der Nachlassverwalter von Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Amy Winehouse und Co erfüllen: Live-Konzerte mit den Verblichenen.

 

Und zwar mittels Hologramm-Technik. Beim Metal-Festival »Wacken Open Air« präsentierte das US-Unternehmen Anfang August eine digitale 3D-Reproduktion des ikonischen Metal-Sängers   Ronnie  James  Dio.  Der  2010  verstorbene   Ex-Rain-

bow/Black Sabbath-Frontmann und  spätere  Solo-Künstler  flim-

merte als bläulich schimmernder Wiedergänger während eines Tribut-Auftritts ehemaliger Mitmusiker über die Bühne und »performte« mit charakteristisch ausgestreckter Mano cornuta seine 1984er Hymne »We Rock«.

 

Es war als wäre Ronnie wieder da

„Es war unwirklich, fast als wäre er wieder da“, sagte Craig Goldy dem »Rolling Stone«. „Ich konnte ihn sehen — er bewegte sich und sang —, aber ich konnte ihn nicht berühren“, kommentierte der langjährige Dio-Gitarrist über den leicht gespenstischen Auftritt.Währenddessen wunderten sich anwesende Fans gegenüber Business Insider eher über die plötzliche Größe des zu Lebzeiten nur 1,63 Meter großen Sängers. Weitere Reaktionen schwankten zwischen Amüsiertheit, Irritation und Abscheu. Immerhin steht der Verdacht der Leichenfledderei im Raum.

 

Trotz der gemischten Resonanz seitens der 75.000 Wacken-Besucher plant Eyellusion den mehrere zehntausend Euro teuren Computer-Dio gemeinsam mit einer echten Band auf Tour zu schicken: „Durch Eyellusion haben wir die Möglichkeit, Ronnie wieder auf die Bühne zu bringen, wo er hingehört. So können wir sicherstellen, dass seine Musik und sein Andenken weiterleben“, sagt Wendy Dio, seine Ex-Frau und langjährige Managerin. Geplant sind weitere Auftritte laut »Rolling Stone« 2017, bei denen 12 Songs aus Dios gesamter Karriere auf der Setlist stehen sollen. Geht es nach Jeff Pezzuti, werden zukünftig auch noch weitere verstorbene Rocker als dreidimensionale Flimmer-Bilder wieder auferstehen: „Was wir mit unserem Ronnie James Dio-Hologramm in Wacken gemacht haben, ist nur der Anfang“, sagt der Eyellusion-Chef.

 

Kommt bald das Lemmy-Hologramm?

Bei Eyellusion ist auch Motörhead-Manager Todd Singerman an Bord, was die Frage nach einem Hologramm  des  Ende  vergan-

genen Jahres verstorbenen Rock-Übervaters Lemmy Kilmister aufwirft. Gegenüber »Rolling Stone« wollte Pezzuti ein solches nicht ausschließen. Im Sinne der Lebensvollen Rock'n'Roll Legende dürfte dies aber kaum sein. Auch ergäben sich hier wohl technische Schwierigkeiten: Trotz 4K-Auflösung können Pezzutis Hologramme bislang weder Rauchen noch größere Mengen Whiskey-Cola trinken.

 

Allerdings sieht Pezzuti neben den leicht gruseligen „Geister-Shows“  noch   weitere  Einsatzmöglichkeiten  seiner   revolutio-

nären Ultra-HD-Technik. Gerade in Zeiten, in denen die Einnahmen aus dem Live-Sektor für Musiker immer wichtiger würden. „Finanziell und physisch ist es nicht immer möglich, alle Märkte zu befriedigen, auf denen Nachfrage herrscht“, sagt Pezzuti. Auch gebe es Acts, die aus unterschiedlichen Gründen nicht länger auf Tour gehen oder nur noch wenige Shows pro Jahr spielen könnten. Pezzuti könnte also Halbpensionären wie etwa den Rolling Stones (ganze 27 Shows in 2015) mit der digitalen Krücke noch einmal Beine machen: „Eyellusion kann holographische Darbietungen von einer Show an viele weitere Orte übertragen“, sagt er. Das eröffne globale Möglichkeiten.

 

Tatsächlich wurden schon mehrfach Live-Shows von Bands in Kinosäle übertragen. Erst im Frühjahr machten die Schmink-Rocker Kiss mit ihrem Konzert-Streifen »Kiss Rocks Vegas« Furore. Gerade Kiss-Führungsmitglied und Bassist Gene Simmons könnte an der Hologramm-Technik Gefallen finden. In der Vergangenheit hatte Simmons zum allgemeinen Schrecken der Rockfans  mehrfach geäußert,  er könne  sich ein  Fortbeste-

hen seiner Band auch ohne Originalmitglieder vorstellen — auch in parallel auf  Konzertreise  gehenden  mehrfachen  Ausführun-

gen.

 

Jetzt hat  die  Wirklichkeit  Simmons  Allgegenwärtigkeitsphanta-

sien sogar noch überholt.

 

 

© Felix Mescoli für Business Insider, Foto: Eyellusion

 

 

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