01.12.2018

Das »Sibirische Einhorn« starb später aus als gedacht

Bislang dachte man, das »Sibirische Einhorn« wäre lange vor Ankunft des Menschen ausgestorben. Nun zeigt sich, dass Menschen wohl doch zeitgleich mit den gehörten Riesen lebten.

 

Menschen bekamen es wohl doch noch zu Gesicht: Elasmotherium sibiricum, ein dreieinhalb Tonnen schweres und über vier Meter langes Nashorn starb später aus als gedacht. Das ergab die Datierung von insgesamt 23 Funden dieses nach seinem imposanten Horn als »Sibirisches Einhorn« bezeichneten Tieres. Bislang waren Forscher davon ausgegangen, dass es vor deutlich über 100.000 Jahren ausstarb. Nun zeigen die Funde, dass die Tiere noch bis vor 35.000 Jahren gelebt haben könnten. Zu jener Zeit waren anatomisch moderne Menschen bereits in das Verbreitungsgebiet der riesigen Nashörner vorgedrungen, die in den Grassteppen Eurasiens vom Südwesten Russlands und der Ukraine bis nach Kasachstan und Sibirien im Osten lebten.

 

Die Neudatierungen hat eine Forschergruppe um Adrian Lister vom Londoner National History Museum jetzt im Journal Nature Ecology & Evolution publiziert. Sie zeigen, dass Elasmotherium sibiricum Teil jener eiszeitlichen Aussterbewelle war, bei der weltweit zahlreiche Tierarten verschwanden, die durch ihren Riesenwuchs gekennzeichnet waren. Ob der anatomisch moderne Mensch als Jäger einen Anteil an diesem Artensterben hatte, ist umstritten.

 

Laut ihrer Untersuchung war das Sibirische Einhorn ein Grasfresser, der in den Weiten der Steppe lange Distanzen zurücklegen konnte. Die Tiere dürften nie sonderlich häufig gewesen sein, schreiben die Forscher in einer Mitteilung des Museums. Offen ist darum, ob sie zur Jagdbeute wurden – oder ob im Gegenteil die modernen Menschen und ihre Neandertaler-Verwandten, die ebenfalls in der Region lebten, Angriffe des gehörnten Riesen fürchten mussten. Knochenspuren, die auf ein solches Aufeinandertreffen hindeuten würden, gäbe es jedenfalls nicht, so die Forscher.

 

 

Quelle: Jan Dönges für Spektrum der Wissenschaft

 Foto: W S van der Merwe


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