04.01.2017

Rätsel um Brutdauer von Dinosaurier gelöst

Bislang nahmen Forscher an, der Nachwuchs von Dinosauriern hätte einst ähnlich kurz im Ei verweilt wie Vogeljunge. Nun zeigt sich: Das war vielleicht ein Trugschluss.

 

Babydinosaurier haben vor Millionen Jahren vermutlich länger zum Schlüpfen gebraucht, als Forscher bislang annahmen: Etwa drei bis sechs Monate verbrachten manche von ihnen zu Beginn ihres Lebens im Ei, wie ein Team um Mark Norell vom American Museum of Natural History nun berichtet.

 

Norell und seine Kollegen untersuchten mit Hilfe von Computer-tomografie und Mikroskopie das Gebiss von gut erhaltenen Dinosaurierembryonen, die zwei sehr unterschiedlichen Spezies entstammten: Während ein Teil der Fossilien zur Gattung Protoceratops gehörte, deren Vertreter nicht einmal einen Meter groß wurden und recht kleine, leichte Eier legten, stammten die anderen Skelette von Riesensauriern der Gattung Hypacro-saurus, deren Eier allein vier Kilogramm schwer waren. Anhand der typischen Linienmuster, die sich ähnlich wie die Jahresringe von Bäumen mit der Zeit im Zahnbein bilden, konnten die Wissenschaftler schließlich bestimmen, dass die Protoceratops-Embyronen zum Zeitpunkt ihres Todes etwa drei Monate alt waren, während sich die Hypacrosaurus-Babys rund sechs Monate lang im Ei entwickelten.

 

Bislang hatten Forscher angenommen, dass die Brutzeit von Dinosauriern eher jener der modernen Vögel entsprach, deren Junge etwa nach 11 bis 85 Tagen schlüpfen. Dafür waren die Dinos aber offenbar zu langsam - sie brüteten anscheinend vielmehr wie Reptilien, deren Junge doppelt so lange im Ei heranwachsen. Das könnte vielleicht eine Rolle beim Aussterben der Dinosaurier gespielt haben, spekulieren die Forscher. Denn wenn sich der Nachwuchs länger im Ei befindet, macht das Babys wie Eltern anfälliger dafür, anderen Räubern zum Opfer zu fallen, zu verhungern oder durch ungünstige Veränderungen in der Umwelt zu Tode zu kommen. Norell und sein Team sagen aber auch: Schaut man sich die Brutzeit von Sauriern an, die eine stärkere Ähnlichkeit zu den heute lebenden Vögeln aufweisen als die beiden untersuchten Spezies, könnte sich freilich wieder ein ganz anderes Bild ergeben. Dafür fehlen bislang allerdings die Fossilien: Dinosaurierembryonen werden nur sehr selten gefunden.

 

 

Quelle: Daniela Zeibig für Spektrum der Wissenschaft

Foto: AMNH/M. Ellison

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