05.04.2018

Vieräugiges Reptil aus der Urzeit entdeckt

Zwei Fenster zur Welt – das ist die Regel bei den Wirbeltieren. Von manchen Reptilien ist allerdings auch ein drittes Auge bekannt: das sogenannte Scheitelauge. Doch nun haben Forscher erstmals ein Beispiel für ein vieräugiges höheres Wirbeltier entdeckt. Es handelt sich um einen ausgestorbenen Waran, der neben dem dritten Auge noch ein weiteres optisches Sinnesorgan besaß.

 

Dass einige Wirbeltiere drei Augen haben, ist leicht zu übersehen: Das relativ kleine Scheitelauge oder Parietalorgan mancher Reptilien, Amphibien und Fische ist nur schwer erkennbar. Es sitzt in der Mitte des Stirnbeins und ist nach oben gerichtet. Wie die paarigen Augen besitzt auch das Scheitelauge eine Linse und Netzhaut – nur die Iris fehlt. Es ist mit dem Gehirn über einen Sehnerv verbunden, der durch ein Loch im Schädel führt. Das seltsam wirkende dritte Auge dient diesen Tieren zur Orientierung, Wahrnehmung von Helligkeitsveränderungen und zur Einstellung der biologischen Uhr.

 

Scheitelaugen im Blick

Dreiäugigkeit war sogar einst die Regel im Tierreich: Fossilien belegen, dass die Wirbeltiere des Paläozoikums vor über 250 Millionen Jahren üblicherweise ein Scheitelauge besaßen. Im Laufe der Evolution bildete es sich bei den Vorfahren der Vögel und Säugetiere schließlich zurück. Von den höheren Wirbeltieren besitzen heute nur noch einige Reptilien ein Scheitelauge. Ein viertes Sehorgan ist bei ihnen allerdings nicht bekannt. Doch offenbar gab es einst Vertreter dieser Tiergruppe mit einem weiteren Auge, wie die Forscher um Krister Smith vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt am Main herausgefunden haben.

 

Bei dem vieräugigen Wesen handelte es sich um die ausgestorbene Waranart Saniwa ensidens. Das etwa 1,30 Meter lange Reptil lebte vor etwa 49 Millionen Jahren in Nordamerika. Smith und seine Kollegen kamen zu der Vermutung, dass Saniwa ensidens ein zusätzliches Auge besessen haben könnte, nachdem andere Experten zu widersprüchlichen Schlussfolgerungen gekommen waren, wo sich das dritte Auge dieses Tiers befunden hat. Durch CT-Scans fossiler Schädel konnten Smith und seine Kollegen dann eindeutig zeigen, dass der Waran zwei Scheitelaugen in einer Mittellinienposition hintereinander auf der Schädeldecke besessen hat. Den Forschern zufolge war das eine Auge aus dem sogenannten Pinealorgan und das andere aus dem Parapinealorgan hervorgegangen.

 

»Re-Evolution« führte zur Vieräugigkeit

„Durch die Entdeckung einer vieräugigen Echse, bei der sowohl die das Pinealorgan als auch das Parapinealorgan ein Auge auf dem Kopf bildeten, konnten wir bestätigen, dass das dritte Auge der Echsen etwas Besonderes ist“, sagt Smith. Man nahm nämlich bereits an, dass das dritte Auge der Reptilien eine spezielle Entwicklungsgeschichte besitzt: Bei ihnen scheint das Parapinealorgan die Funktion des Scheitelauges übernommen zu haben, wohingegen bei den Fischen und Amphibien das Pinealorgan das dritten Auge repräsentiert. Offenbar verschwand bei der Entwicklung von niederen Wirbeltieren zu Reptilien das Pinealorgan und seine Funktion wurde vom Pinealorgan übernommen, so die Erklärung.

 

Den Forschern zufolge handelt es sich bei der Vieräugigkeit des Warans Saniwa ensidens um einen Fall von »Re-Evolution« – um ein erneutes Auftreten bereits verschwundener Merkmale nach sehr langer Zeit. „Ein vergleichbarer Vorgang wäre es beispielsweise, wenn unsere heutigen Vögel wieder Zähne bekämen“, sagt Smith. Bei dem Waran hat sich demnach das dritte Auge der niederen Wirbeltiere erneut zusätzlich zu dem reptilientypischen Scheitelauge ausgebildet. Durch diese Rückbildung ist zu erklären, warum sowohl das Pinealorgan als auch das Parapinealorgan ein Auge auf dem Kopf dieses Wesens bildeten, erklären die Forscher.

 

Quelle: Martin Vieweg  für Bild der Wissenschaft

Foto: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung/Andreas Lachmann/Digimorph.org 

So könnte der Waran einmal ausgesehen haben. Die Kontur seines Schädels ist hervorgehoben. Der Ausschnitt zeigt die Stelle mit den zwei Löchern im Knochen, an denen die Augen saßen.
So könnte der Waran einmal ausgesehen haben. Die Kontur seines Schädels ist hervorgehoben. Der Ausschnitt zeigt die Stelle mit den zwei Löchern im Knochen, an denen die Augen saßen.

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