05.07.2019

Unser Gehirn akzeptiert keine zu menschliche Roboter

Roboter, die dem Menschen ähneln, begeistern im Allgemeinen. Doch das Gefühl wechselt schnell, wenn die Maschinen zu menschlich aussehen. Den als »Uncanny Valley« bezeichneten Effekt sehen Forscher nun in Hirnscans.

 

Sie sollen als Sex-Partner fungieren, bei Pflege und Einsamkeit helfen und in Restaurants die Servicekräfte ersetzen. Der Einsatz von Robotern lässt sich nicht aufhalten. Umso wichtiger ist es, zu ergründen, wie Menschen auf verschiedene Arten von Robotern reagieren. Forscher der Rheinisch-Westfälischen Technischen Universität (RWTH) Aachen haben es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die sogenannte Uncanny-Valley-Hypothese zu überprüfen.

Bereits 1970 hatte der Japaner Masahiro Mori vom »Uncanny Valley« berichtet. Der Roboteringenieur erklärte, dass die Akzeptanz von Menschen gegenüber Robotern, Avataren oder Kunstfiguren steige, je menschenähnlicher sie aussähen. Diese Akzeptanz breche jedoch abrupt ab, wenn das Objekt zu menschlich aussieht. Die steil abfallende Linie im Diagramm von Mori verlieh dem paradox erscheinenden Effekt seinen Namen, der als »Gruseltal« übersetzt werden könnte.

 

Um zu klären, was bei dieser Akzeptanzlücke im Gehirn passiert, untersuchte das Forscherteam um Astrid Rosenthal von der Püttner die Hirnaktivität von Probanden mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie. Den insgesamt 21 Freiwilligen wurden währenddessen unterschiedliche Versionen von Menschen und Robotern gezeigt. Das Aussehen der Roboter reichte von eindeutig nach Maschinen aussehenden, humanoiden und Androiden.

 

Die Studienteilnehmer sollten bewerten, wie sympathisch und wie menschenähnlich die verschiedenen Versionen auf sie wirkten. Zudem wurden die Probanden dazu befragt, welchen der Gezeigten sie auswählen würden, für sie ein persönliches Geschenk auszusuchen. Es zeigte sich, dass die meisten Befragten für diese Aufgabe Menschen oder humanoide Roboter beauftragen würden. Die Roboter, die vom Aussehen her am menschlichsten waren, wurden für diese Aufgabe jedoch nicht ausgewählt.

 

Effekt im Gehirn sichtbar

Die Reaktionen auf die zu bewertenden Menschen und Roboter sahen die Forscher in der Aktivität des mittleren präfrontalen Cortex, dem Teil des Gehirns, der für Bewertungen und Belohnungen steht. Beim Ansehen von Menschen war dieser Teil des Gehirns am aktivsten, bei den Maschinen hingegen am schwächsten. Es ist wahrscheinlich, so die Forscher in ihrer Studie, die im Journal of Neuroscience veröffentlicht wurde, dass dieser Teil des Gehirns die Informationen über die Menschenähnlichkeit auswertet. Darüber hinaus stellten die Forscher fest, dass die Signale zu einem zweiten Bereich im Gehirn weitergeleitet werden, nämlich zum sogenannten ventro-medialen präfrontalen Cortex (VMPFC). In diesem Bereich wird auch über Sympathie entschieden.

 

Die Forscher stellten fest, dass die Aktivität in diesem Bereich sich genauso verhält, wie in der Uncanny-Valley-Hypothese beschrieben. „Bei menschlich aussehenden Robotern stieg die Aktivität, doch bei der Mensch/Nicht-Mensch-Grenze fiel die Aktivität ab und es entstand das typische Tal", erklärt Fabian Frabenhorst von der University of Cambridge, der ebenfalls an der Studie mitgearbeitet hat.

 

Bereich für Emotionen aktiviert

Die Forscher sahen bei ihren Untersuchungen außerdem eine Aktivität im Bereich der Amygdala. Dieser Teil im Gehirn, der auch als Mandelkern bezeichnet wird, steht auch für die emotionale Bewertung von Situationen und Empfindungen wie Angst und Furcht. Die Forscher konnten anhand der Aktivität sogar voraussagen, ob ein Proband das Geschenk eines menschenähnlichen Roboters ablehnen würde.

 

Obwohl die Ergebnisse eindeutig sind, zeigen sie auch, dass es individuelle Unterschiede zwischen den Probanden bei der Akzeptanz beziehungsweise der Tiefe des Tals gibt. Reagierten manche sehr heftig und ablehnend auf Androide, zeigten sich andere insgesamt unempfindlicher dabei. Es scheint also so zu sein, dass es nicht das eine Roboter-Design für alle gebe, so die Forscher. Zudem sei es möglich, die Akzeptanz von Robotern durch soziale Erfahrungen zu steigern.

 

 

Quelle: n-tv, Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons

Mystery-Magazin

Ausgabe Sept./Oktober 2019

Preis: 8,90 €

(Versandkostenfrei in Europa)

NEXUS-Magazin

Ausgabe Okt./Nov. 2019

Preis: 8,90 €

(Versandkostenfrei in Europa)

RAUM & ZEIT

Ausgabe  Sept./Okt. 2019

Preis: 9,90 €

(Versandkostenfrei in Europa)

Nostalgieanlage  mit Plattenspieler/CD/Radio/Kassette

Preis: 219,00 €

(Versandkostenfrei in Europa)

Hanf-Öl Tropfen

Preis: 49,99 €

(Versandkostenfrei in Europa)

Terra Mystica

eBook

ca. 232 Seiten mit vielen Abbildungen für 6,99 € inkl. MwSt.

Hier bestellen:

amazon.de