29.11.2016

Der rätselhafte Baumstamm, der aufrecht im Wasser treibt

Der Crater Lake ist ein Kratersee des Vulkans Mount Mazama und befindet sich in dem beliebten Crater-Lake-Nationalpark des US-Bundesstaates Oregon. Er ist mit seinen 592 Metern der tiefste See des Landes und nicht nur ein willkommenes Erholungsgebiet für Familien und Angler, sondern auch die Heimat des »Old Man of the Lake« (Deutsch: Alter Mann des Sees), einem alten Baumstamm, der seit mindestens 120 Jahren unerklärlich senkrecht im See treibt.

 

Wie lange dieser alte Hemlocktannenstumpen aber tatsächlich bereits im See treibt, ist ungewiss, eine durchgeführte Radiokar-bonmethode-Analyse bescheinigte ihm aber ein Alter von min- destens 450 Jahren. Die erste schriftliche Aufzeichnung über »Old Man« stammt aus dem Jahr 1896. Damals beschrieb der Geologe Joseph S. Diller ihn als einen etwa 9 Meter langen Baumstamm, der 1,2 Meter aus dem Wasser ragt und einen Durchmesser von rund 60 Zentimetern oberhalb der Wasser-oberfläche aufweist. Er treibe in einer eigentlich den physika-lischen Gesetzen widersprechenden vertikalen Position auf dem Wasser und wäre sogar in der Lage, das Gewicht eines erwach- senen Menschen zu tragen, ohne seine Stabilität zu verlieren.

 

Die vertikale Position des Baumstammes ist ein Rätsel

Für die Wissenschaftler ist es ein Rätsel, wieso es dem Stamm überhaupt möglich ist, dass er über einen derart langen Zeit- raum aufrecht im Wasser treiben kann. Eigentlich müsste ein schwimmendes Objekt mit einheitlicher Dichte seinen Körper-schwerpunkt immer höher als seinen Auftriebspunkt haben und kippen. Eine ursprüngliche Erklärung war, dass die Hemlock- tanne einst durch einen Erdrutsch in den See stürzte und Felsen sich in ihrem Wurzelwerk verhakten, die den Stamm in seiner vertikalen Position hielten. Doch diese Theorie musste fallen gelassen werden, da der »Old Man« schon lange über keine Wurzeln mehr verfügt und er dennoch weiterhin senkrecht im Wasser schwimmt. Jetzt wird vermutet, dass sich der im Wasser befindliche Stammteil mit der Zeit mit Wasser vollgesogen hat und deshalb über eine höhere Dichte verfügt, während der obere Teil komplett ausgetrocknet sei, doch das konnte bislang nicht wissenschaftlich bestätigt werden.

 

Weitere Besonderheiten sind, dass sich der Baumstamm trotz seiner langen Zeit im Wasser nicht zersetzt und er sogar gegen den Wind im See riesige Stecken zurücklegt. Die Naturforscher Wayne Kartchner und John Doerr führten 1938 eine dreimona- tige Studie und kartographierten die exakte Wanderroute des »Old Man« durch den See. Es stellte sich heraus, dass er im Untersuchungszeitraum vom 1. Juli bis zum 30. September ins- gesamt etwa 100 Kilometer zurückgelegt hatte.

 

Die Legenden um den Crater Lake

Der Crater Lake ist aber auch ohne diesen Baumstamm ein ganz und gar außergewöhnlicher See, um den sich die verschiedens- ten Legenden ranken. Darin werden geisterhafte Lagerfeuern geschildert, die auf der unbewohnten Insel »Wizard Island« in der Mitte des Sees beobachtet werden und diverse andere rätselhaften Phänomene wie mysteriöse Lichter, die am Himmel über ihn schweben. Außerdem ist sein Wasser so blau, dass man den Eindruck haben könnte, es sei künstlich eingefärbt worden.

 

Und was haben die dort ansässigen amerikanischen Ureinwoh- ner vom Stamm der Klamath über den See zu berichten? Ihre Legende erzählt, dass vor etwa 8.000 Jahren eine schicksal- hafte Schlacht im südlichen Teil von Oregon stattfand. Eines Nachts stand Llao, der Gott der Unterwelt, auf dem Gipfel des Vulkans Mount Mazama und schleuderte Magma und heiße Dämpfe in den Himmel empor. Sein Widersacher Skell, der Gott der irdischen Welt, erwiderte den Angriff, indem er Feuerbälle vom kalifornischen Vulkan Mount Shasta gegen Mount Mazama feuerte, bis sein Gipfel zusammenbrach. Geschlagen, floh Llao bei Tagesanbruch zurück in die Unterwelt und Skell krönte seinen Sieg über ihn, indem er den Vulkankrater mit Wasser auffüllte.

 

 

© Fernando Calvo

 

 

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