05.03.2018

Kuba: Rätsel um »Schallwaffe« möglicherweise gelöst

Wissenschaftler haben eine alternative Erklärung für die seltsamen Töne gefunden, die bei US-Diplomaten in Havanna zu seltsamen Hirnanomalien geführt haben sollen.

 

Dieses mysteriöse Phänomen wurde erst im August von der US-Regierung als solches erkannt - ganze neun Monate nach dem ersten Vorfall (wir berichteten). Bisher gab es keine offizielle Erklärung dazu und obwohl bereits das FBI, die US-Nachrichtendienste sowie US-Geheimdienste ihre Ermittlungen aufgenommen haben, konnten sie keinerlei Hinweise darauf finden, was die Ursache oder die Quelle für diese rätselhaften Symptome sind. Diese Angriffe, die auch mittels »Schallwaffen« erfolgten, waren direkt auf die Hotelzimmer der US-Diplomaten gerichtet und riefen eine Reihe von Symptomen hervor, darunter Hörverlust, Tinnitus, Schwindel, Gleichgewichtsprobleme, visuelle Beschwerden, Kopfschmerzen, Müdigkeit, kognitive Probleme sowie Schlafstörungen. Aus diesem Grund zog die US-Regierung Anfang Oktober vorerst 60 Prozent ihres Botschaftspersonals aus Kuba ab und forderte ihre Bürger auf, Reisen in das Land zu meiden, was die Beziehungen zwischen beiden Ländern deutlich verschlechterte.

Im Dezember bestätigten verschiedene US-Behörden schließlich, dass Ärzte bei einigen Opfer der Schallangriffe Veränderungen in jenen Abschnitten der Weißen Substanz (WS) entdeckt hätten, die dafür verantwortlich sind, dass verschiedene Teile des Gehirns miteinander kommunizieren können (wir berichteten).

 

Nun glauben Informatiker von der University of Michigan, das Rätsel möglicherweise endlich gelöst zu haben und dass diese so genannten »Angriffe« eigentlich völlig zufällig entstehen. Der Schlüssel, so argumentieren sie, liegt in der Interferenz, die entsteht, wenn zwei Ultraschallgeräte zu nahe beieinander platziert werden. Ein dadurch hervorgerufener Ton könnte tatsächlich einige der Symptome erklären, die bei den Opfern auftreten. Zu diesem Ergebnis kam das Team durch Reverse-Engineering einer Tonaufnahme und durch die Kombination verschiedener Ultraschallquellen. So reproduzierten sie jene Frequenzen, die von den US-Diplomaten gehört wurden.

 

„Wenn eine zweite, unhörbare Ultraschallquelle die primäre, unhörbare Ultraschallquelle stört, verursacht die Intermodulationsverzerrung hörbare Nebenprodukte, welche sich die spektralen Eigenschaften mit den aufgenommen Tönen teilen", begründen es die Wissenschaftler im Miami Herald. Obwohl ihre Ergebnisse noch nicht bestätigt wurden, ist ihre Erklärung für diese Zwischenfälle zweifellos überzeugend.

 

„Die von den Kubanern eingesetzten Geräte könnten Probleme verursacht haben, von denen niemand ahnte, dass sie entstehen könnten", sagt der ehemalige US-Diplomat James Cason. „Wenn damit endlich das Geheimnis der Schallangriffe gelöst sein sollte, werden die Kubaner es aber wahrscheinlich niemals gestehen. Sie müssten dann nämlich zugeben, dass sie überall Lauschangriffe tätigen und das werden sie niemals bekennen."

 

Nun muss also wohl nur noch darauf gewartet werden, dass von offizieller Seite bestätigt wird, dass die vermeintliche kubanischen »Schallwaffen« nichts anderes sind, als unprofessionell abgestimmte Abhörvorrichtungen, die eingesetzt werden, um die US-Diplomaten zu belauschen.

 

© Fernando Calvo*, Foto: U.S. Department of State

 

Unten: Hörprobe der vermeintlichen »Schallwaffe«

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