18.09.2015

Neue Fakten zum Dyatlov-Pass-Vorfall: War es der Yeti?

Im Jahre 1959 machte sich eine zehnköpfige russische Studentengruppe zu einer Expedition auf, die von ihrem Studiengenossen Igor Dyatlov geleitet wurde und zu dem Berg Otorte im Ural führen sollte. Lediglich einer kam wieder lebend zurück, weil er die Gruppe aus gesundheitlicher Probleme frühzeitig verlassen musste, die anderen sieben Männer und zwei Frauen fanden in der eisigen Wildnis einen grausamen und mysteriösen Tod.

 

Die Studenten waren am 27. Januar in dem kleinen Dorf Vishay, am Fuße der Berge, gestartet und beabsichtigten, am 12. Februar dorthin wieder zurückzukommen. Als ihre Rückkehr überfällig wurde und es keinerlei Lebenszeichen von ihrem Verbleib gab, wurde am 20. Februar eine Vermisstenanzeige aufgegeben und ein Suchtrupp zusammengestellt. Er bestand aus Studentenkollegen der Verschollenen, Polizei und dem Militär und gemeinsam wurde mit Unterstützung von Hubschrau- bern und Flugzeugen das gesamte Gebiet abgesucht, in denen die Studenten gemäß ihrer geplanten Route unterwegs gewe- sen waren.

 

Am 26. Februar fanden die Suchtrupps schließlich das verlasse- ne Lager der Gruppe am Hang des Berges Kholat Syakhl. Die Zelte wiesen Beschädigungen auf und die Studenten schienen ihr Lager fluchtartig verlassen zu haben, denn ihre gesamte Ausrüstung befand sich noch dort. Der Suchtrupp konnte in etwa einem Kilometer Entfernung die Leichen von Georgyi Krivonischenko und Yuri Doroshenko im Schnee entdecken. Seltsamerweise trugen sie trotz Temperaturen um die Minus 30 Grad nur ihre Unterwäsche an ihrem Körper und es machte den Eindruck, als wenn sie in Panik aus dem Zelt und um ihr Leben gelaufen wären. Offensichtlich hatten sie noch versucht, auf eine Kiefer zu klettern, um Schutz zu suchen, denn die Bäume wiesen entsprechende Spuren auf. Etwa 300 Meter von diesen Kiefern entfernt fand man den Leichnam von Igor Dyatlov, nach weiteren 480 m den von Rustem Slobodin und schließlich 630 m weiter den leblosen Körper von Zinaida Kolmogorova, allesamt ebenfalls nur sehr spärlich bekleidet. Erst am 4. Mai konnte man dann auch die Leichen der vier anderen Mitglieder bergen, die unter einer rund vier Meter dicken Schneedecke 75 m weiter im Tal begraben lagen. Sie hatten zwar etwas mehr Bekleidung an ihren Leibern, sie bestand aber offenbar aus Stofffetzen und Kleidungsstücke der anderen Toten. Alle Leichen wiesen schwere Verletzungen auf, einem Studenten hatte man zudem die Augen entfernt und einer Studentin die Zunge. Doch was war den neuen Studenten zugestoßen? Warum verließen sie fast unbekleidet ihre Zelte und flüchteten in die todbringende Kälte? Warum wurden ihre Körper derartig verstümmelt?

 

Nun, die staatlichen Behörden verdächtigten zuerst das Volk der Mansen, dass in der Nähe lebt und dessen heiliges Gebiet die Studenten betreten hatten, doch man konnte ihnen nichts beweisen und sie selber bestritten so ein Massaker angerichtet zu haben. Schließlich wurde der Fall von der Sowjet-Regierung nach nur vierwöchiger Untersuchung für abgeschlossen erklärt und gilt seither als ungelöstes Rätsel. Das bot natürlich viel Spielraum für Spekulationen und so wurde vermutet, dass diese jungen Menschen von Außerirdischen getötet wurden, da ihre Verletzungen denen der Tierverstümmelungen ähneln, mit denen die Aliens ebenfalls in Zusammenhang gebracht werden. Der amerikanische Forscher Mike Libecki wollte den Fall etwas genauer untersuchen und machte sich auf den Weg zum Ort des Geschehens, um seine Informationen direkt aus erster Hand zu erhalten – falls nach über 50 Jahren noch möglich. Mit der Unterstützung der russischen Dolmetscherin Maria Kleno- kova suchte er nach Dokumenten und Zeitzeugen, die eventuell mehr Licht in den mysteriösen Fall bringen konnten.

 

Tatsächlich hatte die Studentengruppe ein Tagebuch geführt, das in ihrem Lager gefunden wurde und Hinweise darauf gibt, was sie erlebt hatte und wann sie zuletzt noch am Leben waren. Anhand der letzten Eintragung dürfte es wohl der 2. Februar gewesen sein. Libecki erhielt die Gelegenheit, es einzusehen und stellte fest, dass die Truppe einige sehr interessante Einträge gemacht hatte, die für die Aufklärung bedeutend sein könnten und der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt waren. So hatte einer der Studenten wenige Tage vor ihren Tod geschrieben, dass sie jetzt endlich wissen, dass es den Yeti gibt. Yeti wird in Russland der »Affenmensch« genannt, der in den USA als Bigfoot bekannt ist. Je nach russischer Region trägt aber auch den Namen Almas, Almasti, Chuchunaa, Mecheny oder Mule. Eine weitere wichtige Eintragung könnte der Hinweis darauf sein, dass die Gruppe seltsame Lichter am Himmel beobachtet hatte.

 

Libecki versuchte, zunächst im Archiv der »Russischen Akademie der Wissenschaften« (RAN) einige Informationen dazu zu erhalten und fand in den Untersuchungsprotokollen tatsächlich erstaunliche neue Fakten. So war der KGB offensichtlich bereits zehn Tage vor der offiziellen Vermisstenanzeige der Studenten in ihrem Lager gewesen und die offizielle Todesursache lautete gemäß dem Protokoll »elementare Gründe« – was immer es auch heißen mochte. Weiterhin hieß es in den Akten, dass das Zelt von innen aufgeschlitzt worden war, also von keinem Eindringling stammte und die Akte beinhaltete das Foto eines Yetis, das in dem Tagebuch erwähnt wurde und eine Aufnahme mit seltsamen Lichtern am nächtlichen Himmel. Als nächsten Schritt wollte Libecki die Dyatlov-Stiftung aufsuchen und dort nach den Filmnegativen fragen, um zu prüfen, ob die Aufnahmen in dem Archiv auch echt waren. Die Stiftung wird von Juri Kunzewitsch geleitet, einem ehemaligen Freund von Igor Djatlov und Teilnehmer des damaligen Suchteams. In seinem Tresor, befinden sich die Originalnegative mit den rund 100 Aufnahmen, welche die Studenten während ihrer kurzen Expedition gemacht hatten. In der Tat befindet sich darauf auch das Negativ mit dem Affenmenschen. Die Erklärung, warum das Foto, genauso wie das der rätselhaften Lichter am Himmel, so unscharf war, erklärt sich ganz einfach, denn damals hatten die Kameras keine Automatikfunktion und man musste die Schärfe jedesmal individuell auf das Zielobjekt manuell einstellen. Bei einem schnellen Schnappschuss blieb dazu natürlich oft keine Zeit oder man dachte nicht daran. Kunzewitsch hatte zudem erstaunliche Informationen, die in den Untersuchungsberichten nicht er- wähnt wurden. Er schilderte, dass er im Lager am Boden eine einzelne Gamasche liegen gesehen hätte, wie sie damals von der russischen Armee getragen wurde. Wie konnten sie aber dahin gelangen? Zu einer solchen Gamasche hatten nur das Militär und der KGB Zugriff. Außerdem bemerkte er seltsame Fußspuren im Schnee, die zu groß und ungewöhnlich für einen menschlichen Fuß waren.

 

Resümierend kann man festhalten, dass die Studenten wenige Tage vor ihrem Tod einen Yeti sichteten, seltsame Lichter am Himmel sahen und alles fotografierten. Fest steht auch, dass der KGB zehn Tage vor der offiziellen Vermisstenanzeige bereits in ihrem Lager gewesen sein muss. Danach fangen die Speku-lationen an: Sie müssen sich in ihrem Zelt vor irgendetwas gefürchtet haben und Sehschlitze in die Zeltwand geritzt haben, um zu beobachten, was draußen geschieht, ohne selber ins Freie hinausgehen zu müssen. Dann scheinen sie vor diesem Etwas panisch geflüchtet zu sein, ohne Zeit zu haben, sich anzuziehen. Während ihrer Flucht durch den Schnee müssen einige versucht haben, auf Bäumen Schutz zu suchen oder eine bessere Sicht auf ihre Umgebung zu erhalten. Vermutlich wurden ihre Verletzungen bereits im Lager zugefügt und sie starben an Unterkühlung bei ihrem Versuch, wegzulaufen und ihrem/n Peiniger/n zu entkommen.

 

Die Spekulationen erhielten weitere Nahrung, als sich vor kurzem auch noch ein ehemaliger Militärangehöriger meldete und behauptete, dass das russische Militär zur fraglichen Zeit streng geheime Raketentests in diesem Gebiet durchgeführt hätte, wobei eine Rakete dort abgestürzt sein soll. Er hält es für möglich, dass die Studenten diese Tests beobachtet hatten und deshalb vielleicht vom KGB ermordet wurden. Das verschwom- mene Foto der seltsamen Lichter am Himmel könnte demnach die Rakete gewesen sein. Dieser Theorie widerspricht allerdings, dass eine derartige Explosion keine Erwähnung in dem Tagebuch fand, obwohl es sicherlich erwähnenswert gewesen wäre. Außerdem setzt es voraus, dass der KGB gewusst hätte, dass sich die Gruppe dort befindet und dann das Foto erst gar nicht entstanden wäre. Auch fehlte es an weiteren Zeugen für diesen Raketenabsturz, der sicherlich auch von anderen Einheimischen beobachtet worden sein müsste.

 

Und was ist mit dem Angriff eines wütenden Yetis? Das wäre im Rahmen des Möglichen. Zwar gelten diese kryptischen Wesen nicht als aggressiv oder angriffslustig aber es gibt drei Fälle, in denen tatsächlich Menschen von ihnen angegriffen wurden. In zwei Fällen war das Militär und in einem Fall ein Jäger beteiligt. Und laut den Akten in der Russischen Akademie der Wissenschaften führte ungefähr zur gleichen Zeit Russlands Regierung dort eine Suche nach dem Yeti durch. Es wäre also durchaus möglich, dass dieser Affenmensch von den russischen Yeti-Jägern verfolgt wurde und er die Studenten ebenfalls für feindliche Eindringlinge hielt. Vielleicht hatten die Jäger sogar ein Familienmitglied von ihm getötet oder verschleppt und er sann nach Rache. Und die Fotos von den Lichtern am Himmel könnten von Regierungs-Hubschraubern stammen, die auf der Suche nach dem Yeti waren.

 

 

© Fernando Calvo

Das verlassene und beschädigte Zelt
Das verlassene und beschädigte Zelt
Die neun verstorbenen Studenten
Die neun verstorbenen Studenten
Die seltsamen Lichter
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Die Originalaufnahme des Yetis, der auch auf dem Negativ zu sehen ist
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