01.08.2017

Der Zeitreisende aus dem Jahre 1877

Der Mystery-Forscher Lon Strickler aus Hanover im US-Bundes- staat Pennsylvania will in 2013 von einem Rechtsanwalt interes- sante Informationen über ein mysteriöses Ereignis erhalten haben, das im Juni 1992 in der Nähe von Baltimore, US-Staat Maryland, stattgefunden haben soll.

 

Zum Zeitpunkt des Vorfalls hatte der inzwischen pensionierte Rechtsanwalt (er wird von Strickler mit dem Pseudonym »MB« bezeichnet) eine private Praxis mit mehreren Büros in Baltimore/ Washington DC. Er führte auch Pro Bono-Rechtsberatungen für den Staat Maryland durch, insbesondere die Vertretung von Mandanten mit geistiger Behinderung. Seit Erhalt der ersten e-Mail hatte Stricker zwei weitere Gespräche mit MB, die mit seiner Erlaubnis auch aufgezeichnet wurden. Im Folgenden werden die Aufzeichnungen niedergeschrieben, wie sie mitgeteilt wurden. Einige Passagen wurden jedoch aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht:

 

Das Statement von »MB« vom 05. April 2013 in Baltimore, MD:

 

Im Juni 1992 wurde ich mit einem Pro Bono-Fall beauftragt. Der Klient wurde durch Gerichtsbeschluss in einem der staatlichen Krankenhäuser von Baltimore untergebracht. Ich sprach mit dem Klienten im State Hospital. Ich teilte ihm mit, dass man eine Waffe (eine antike Marlin Derringer Pistole) und Munition bei ihm sichergestellt hätte und nun wegen illegalem Waffenbesitz und Landstreicherei angeklagt werde.

 

Der Klient erzählte mir, dass er Morris Winthrop hieße und erklärte, dass er zwar aus New Jersey sei aber die meiste Zeit seines Lebens in New York City gelebt habe. Spätere Ermittlungen hatten ergeben, dass es keinerlei Aufzeichnungen über ihn im Staat Maryland gab.

 

Als Morris festgenommen wurde, trug er ein weißes Hemd mit hohem Kragen und einen braunen Gehrock und Hose. Ich untersuchte die Kleidung und stellte später fest, dass diese der Herrenkleidung aus der viktorianischen Ära der 1870 - 1880er-Jahre sehr ähnlich war. Er besaß auch ein silbernes Metallgehäuse, das wie ein Zigarettenetui aussah. Im Inneren des Gehäuses war ein quadratisches Stück aus schwarzem Material, das Hartkunststoff glich. Er durfte dieses Objekt während seines Aufenthaltes in der Anlage behalten.

 

Morris schien Anfang 30 zu sein und er hatte keine Haare oder Stoppeln auf seinem Gesicht, nur dünne Augenbrauen. Er hatte dünnes, blonde Haar und eine sehr blasse Gesichtsfarbe. Die Augen waren sehr tief blau, fast violett. Während des Interviews schaute er mich immer direkt an und lächelte. Er sagte mir seinen Namen, dass er in New York City lebte und dass er nicht wusste, wie er nach Baltimore gekommen sei. Der Arzt im Krankenhaus sagte, dass er womöglich unter Schock stünde und dass er möglicherweise einen Gedächtnisverlust erlitten habe. Ich persönlich hatte nicht diesen Eindruck, während ich bei Morris war. Es schien mir, dass er ganz genau wusste, was er da sagte.

 

Am Ende der Unterhaltung sagte ich ihm, er werde im Rahmen einer gerichtlichen Anordnung festgehalten und dass ich einen Termin zur mündlichen Verhandlung ersuchen werde. Morris' Antwort war: „Danke für Ihre Dienste. Ich werde mich mit Ihnen in Verbindung setzen. Ich verspreche es."

 

Am nächsten Tag wurde ich von der Staatsanwaltschaft in Baltimore County kontaktiert und informiert, dass meine Dienste in diesem Fall nicht länger erforderlich wären. Mir wurden auch keine weiteren Angaben dazu gemacht. Also kontaktierte ich den Arzt, der die Behandlung von Morris durchführte. Er erklärte mir, dass Morris nicht mehr auf der Anlage sei. Auf meine Frage, wo Morris wäre, antwortete man mir, ich solle mich an die Staatsanwaltschaft wenden.

 

Fast zwei Jahre lang waren keine offiziellen Informationen in Bezug auf Morris zu erhalten. In 1994 wurde ich von einer Person, die während Morris' kurzem Aufenthalt am State Hospital gearbeitet hatte, kontaktiert. Mir wurde gesagt, dass Morris nach seinem Abendessen plötzlich von der Station verschwunden sei. Es wurde zwar eine gründliche Suche eingeleitet, sie blieb aber ohne Ergebnis. Morris' Kleider wurden von der Staatsanwaltschaft zurückbehalten. Alle anderen Gegenstände, einschließlich des silbernen Metalletuis, fehlten. Ich habe nie herausfinden können, wo die Waffe aufbewahrt wurde, ich nehme an, sie liegt im Staatlichen Polizeipräsidium.

 

Zu dieser Zeit führte ich eine private Suche nach Morris Winthrop. Ich engagierte einen Privatdetektiv, der allerdings sehr wenige zusätzliche Informationen liefern konnte. Nur, dass es einen einzigen 32-jährigen Mann namens Morris Winthrop in New York City gab. Dieser lebte im Jahre 1877 und verschwand eines Tages spurlos. Sein ganzes Vermögen hatte er in Manhattan zurückgelassen. Die Polizei fand damals keine Hinweise auf ein Verbrechen.

 

Selbst nach 19 Jahren habe ich keinen anderen Verweis auf Morris Winthrop gefunden. Ich wurde davon besessen, das Rätsel zu lösen. Ich habe im Laufe der Jahre viele private Ermittler eingestellt aber nichts gefunden. Wenn Morris ein »Zeitreisender« war, frage ich mich: Ob er mich wie versprochen kontaktieren wird?

 

gez. MB

 

© Fernando Calvo, Foto: Paul Don Smith/Wikimedia

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