11.05.2017

Rätsel um Agatha Christie's Verschwinden in 1926 gelöst?

Ein seit Jahrzehnten bestehendes Rätsel um die wohl bekannteste Krimi-Schriftstellerin Agatha Christie soll jetzt gelöst worden sein.

 

Die 1890 geborene britische Schriftstellerin Agatha Mary Clarissa Christie wurde vor allem durch ihre Romanfiguren Hercule Poirot sowie Miss Marple international bekannt. Bis heute wurden rund vier Milliarden Kriminalromane und Kurzge-schichten von ihr verkauft, was sie zu den erfolgreichsten Autorinnen der Literaturgeschichte macht. Doch trotz des beruflichen Erfolges scheint es in ihrem Leben auch eine Schattenseite gegeben zu haben, die zu einem bis heute anhalten Rätsel führte.

 

Am 3. Dezember 1926 verließ die damals 36 Jahre alte Mrs. Christie ihr Haus in Sunningdale und machte sich mit ihrem Wagen auf den Weg nach Surrey auf. Am nächsten Morgen wurde ihr Auto am Rand einer Kalkgrube aufgefunden, doch bis auf ihren Führerschein, ihren Fellmantel und Koffer im Wagen-inneren gab es keine Spur von der Schriftstellerin. Ihr Ver- schwinden sorgte sehr schnell in den Nachrichten für Schlag-zeilen und eine landesweite Suchaktion wurde organisiert, an der über 1.000 Polizisten sowie 15.000 Freiwillige Helfer betei- ligt waren und das gesamte Land nach ihr absuchten. Ihr dama- liger Ehemann, Colonel Archibald Christie, geriet als Haupt. verdächtiger in den Fokus der Ermittlungen, weil er kurz zuvor verkündet hatte, dass er die Scheidung einreichen wolle, da er sich in die jüngere Nancy Neele verliebt habe, mit der er seit längerem eine Affäre pflegte.

 

Doch Mrs. Christie wurde 11 Tage später quicklebendig in einem Hotel in Harrogate gefunden, wo sie sich unter dem Namen der Geliebten ihres Mannes, Nancy Neele, einquartiert hatte. Später berichtete sie, dass sie aufgrund ihres Autounfalls unter Amne- sie gelitten habe und sich nicht mehr erinnern könne, wo sie gewesen oder was mit ihr geschehen sei. Wie The Telegraph berichtet, glaubt der Biograph Andrew Wilson, dass er nun 90 Jahre später endlich das Geheimnis gelöst habe, was Mrs. Christie während dieser 11 fehlenden Tage gemacht hatte.

 

Sein neues Buch A Talent for Murder ist zwar ein fiktiver Roman, doch er basiert auf seiner Theorie, dass ihr Verschwinden - wie in ihren Krimis - bis aufs kleinste geplant war. Er fand nämlich Hinweise darauf, dass Mrs. Christie eigentlich die Absicht gehabt hatte, sich mit dem Auto das Leben zu nehmen. Nach dem misslungenen Suizidversuch soll ihr christlicher Glaube sie jedoch zu der Erkenntnis gebracht haben, dass Selbstmord eine große Sünde sei und sie von einem weiteren Versuch abge- halten haben. Sie habe sich aber sehr für diese Tat geschämt und so beschloss sie, ihr Verschwinden mit einem Gedächtnis-verlust zu erklären. „Nach dem Tod ihrer Mutter litt sie an Depressionen, die durch eine Vielzahl anderer privater Probleme weiter vertieft wurden, auf die ich lieber nicht eingehen möchte - Schwierigkeiten, die, wie wir wissen, auch ihren Mann einbeziehen. Sie litt unter Schlaflosigkeit, sie aß weniger und sie fühlte sich verwirrt, einsam und verzweifelt unglücklich.", schreibt Wilson.

 

Im Grunde schreibt Wilson nichts Neues, denn dass Mrs. Christies ihre Amnesie lediglich vorgetäuscht habe, wurde auch schon damals spekuliert und mit reichlich Indizien und Zeugen-aussagen so gut wie belegt.

 

Agatha Christie starb am 12. Januar 1976 an einem Schlaganfall und wurde auf dem Friedhof St Mary’s in Cholsey. beigesetzt

 

 

© Fernando Calvo*, Foto: Hulton Archive

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