11.02.2018

Rätsel um das »Mini-UFO« von Scarborough gelöst

Ein Mini-UFO, das angeblich 1957 in Yorkshire abgestürzt und geborgen wurde, verschwand kurz darauf von der Bildfläche. Nun wurde es in einem Museumsarchiv wiederentdeckt.

 

Die Geschichte begann am 9. Dezember 1957, als die Yorkshire Post darüber berichtete, dass man zwei Wochen zuvor im Moor nordwestlich der Stadt ein mysteriöses, kreisförmiges Objekt mit einem Durchmesser von 45 cm und einem Gewicht von 15 kg gefunden habe. Der damals 42-jährige Geschäftsmann Frank Dickenson aus Scalby hatte der Zeitung geschildert, dass er sich nachts mit zwei Freunden in der Nähe des Dorfes Silpho, ebenfalls in der Grafschaft Scarborough, befand, als sein Auto plötzlich stehen blieb und sie ein leuchtendes Objekt am Himmel sahen, das auf einem Bergrücken über dem Broxa Forest, abzustürzen schien. Dickenson stieg aus dem Auto, kletterte eine steile Böschung hinauf und sah die metallische Untertasse in dem Moorgebiet liegen. Als er sich auf den Weg zurück machte, um seine Freunde darüber zu informieren und hinzuzuholen, begegnete er ein junges Pärchen, das in Richtung des abgestürzten UFOs spazierte. Und als die drei Männer später die Absturzstelle erreichten, war das vermeintliche UFO-Wrack spurlos verschwunden.

 

Doch Dickenson wollte die Sache nicht so einfach vergessen und versuchte über eine Kleinanzeige in einer Scarborough-Zeitung, mehr über dieses Mini-UFO zu erfahren. Es meldete sich auch tatsächlich jemand, der behauptete, jener Mann zu sein, den er in der betreffenden Nacht mit seiner weiblichen Begleitung im Moor begegnet sei. Dieser mysteriöse Unbekannte sei bereit gewesen, ihm das seltsame Objekt zu verkaufen und verlangte 200 Pfund, doch am Ende habe man sich letztendlich auf 10 Pfund geeinigt und Dickenson durfte es mitnehmen.

 

Als er es öffnete, fand er im Inneren ein winziges Buch aus 17 dünnen Kupferblechen bestehend, die mit einer Spule aus Kupferdraht zusammengehalten wurden. Auf diesen Kupferseiten befanden sich Hieroglyphen, die von Philip Longbottom, dem Besitzer des Scarborough Cafés, angeblich entschlüsselt werden konnten. Er behauptete, sie enthielten eine eigenartige Botschaft von 2.000 Wörtern, die von einem Außerirdischen namens »Ullo« zur Erde geschickt wurde, um die Menschheit vor einem Atomkrieg zu warnen. „Ihr werdet euch bessern oder verschwinden", so der sinngemäße Wortlaut der Warnung.

 

Wie der Anwalt Anthony Parker aus Scarborough später den Medien schilderte, hatte Dickenson ihn umgehend nach dem Kauf gebeten, das Objekt in seinem Haus zu untersuchen. Er konnte nichts Außerirdisches daran erkennen und riet ihm dringendst, es dem Luftfahrtministerium zu übergeben - schließlich befand man sich im Kalten Krieg und die Sowjetunion hatte nur wenige Wochen zuvor ihren ersten Satelliten in eine Erdumlaufbahn gebracht. Ab da verlor sich die Spur des vermeintlich außerirdischen Raumschiffwracks und für die UFO-Forscher begann damit eine Suche, die sich über ein halbes Jahrhundert dahinzog.

 

Wie sich nun herausgestellt hat, lagerte das kleine UFO« offenbar die ganze Zeit in einer Metall-Zigarettenbox im Archiv des Science Museum Group in London, nur etwa 300 Kilometer vom Fundort entfernt. Aus den internen Dokumenten geht hervor, dass die Überreste des sogenannten »Silpho Moor Object« 1963 zur genauen Untersuchung dorthin gebracht worden war. Das Science Museum übergab es anschließend dem Meteoritenexperten Gordon Claringbull vom Natural History Museum zur Analyse, der jedoch nichts Ungewöhnliches an der Materialbeschaffenheit des Objektes feststellen konnte und in seinem Bericht zu dem Schluss kam, dass es irdischen Ursprungs sei. Auch andere Untersuchungen, die von einem Metallurgen der Universität Manchester durchgeführt wurden, zeigten, dass es sehr wahrscheinlich nicht aus dem Weltraum stammt, weil keinerlei Spuren zu sehen wären, dass es jemals hohen Temperaturen ausgesetzt gewesen sei.

 

Offenbar war das Objekt lediglich ein aufwendiges, menschengemachtes UFO-Model gewesen und es wurde nach den vorgenommenen Analysen dem Science Museum zurückgegeben, wo es in Vergessenheit geriet, während es die an dem Fall interessierten UFO-Forscher verzweifelt suchten.

 

Die UFO-Forscherin Jenny Randles hat die Analyse-Berichte gelesen und bezeichnet das vermeintliche UFO als „den teuersten und am besten organisierten Schwindel, der jemals in Großbritannien stattgefunden hat." „Die Fälscher scheinen aber nie davon profitiert gehabt zu haben, denn wer auch immer sie gebaut hat, muss schließlich erheblich mehr aus als nur die zehn Pfund investiert haben, die der Käufer angeblich dafür bezahlt hat", sagte sie der Yorkshire Post.

 

© Fernando Calvo*, Foto: Sheffield Hallam University

Die Fotos von »Mini-UFO« in der Yorkshire Post von 1957.
Die Fotos von »Mini-UFO« in der Yorkshire Post von 1957.

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