14.10.2018

Entwickeln die USA eine geheime biologische Waffe?

Es klingt wie eine abstruse Fantasie, die einem schlechten Science-Fiction-Roman oder einer Webseite mit Verschwörungstheorien entsprungen ist — tatsächlich stammt die Nachricht aber aus einem der renommiertesten wissenschaftlichen Fachmagazinen der Welt: Im Labor produzierte Viren sollen mittels Insekten auf Pflanzen übertragen werden, um deren Genmaterial zu manipulieren.

 

Darum geht es bei dem Projekt »Insect Allies«, zu Deutsch »Insekten als Verbündete«. Der Plan wird von der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA), der Forschungsbehörde des US-Verteidigungsministeriums, mit 27 Millionen US-Dollar gefördert.

 

Die am Projekt beteiligten Wissenschaftler erforschen derzeit, ob sie die Viren mithilfe von Insekten wie Blattläusen, Fliegen oder Grashüpfern auf Tomaten- und Maispflanzen übertragen können. Sind die Viren erst auf der Pflanze, sollen sie das Erbgut mittels sogenannter Genom-Editierung verändern. Ein kleiner Biss der infizierten Insekten würde ausreichen, um auf Feldern wachsende Pflanzen schnell und in gigantischem Ausmaß genetisch zu verändern.


 Selbst Genmaterial, das mit Hilfe von Spritzmitteln auf Pflanzen verteilt wird, stellt ein Problem dar, wenn es vom Wind weiter getragen wird als geplant — doch das ist längst kein Vergleich zur unkontrollierten Verbreitung von Insekten, sobald diese erst ausgesetzt wurden.

 

Die Bedrohlichkeit des DARPA-Projekts haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts sowie der Universitäten Freiburg und Montpellier erkannt und schlagen nun Alarm, das Projekt könne eine Tarnung für die Entwicklung einer Biowaffe sein. Die Forscher warnen in einem Artikel im Fachjournal Science davor, wie leicht ein solches System manipuliert werden kann — und wie schnell daraus eine biologische Waffe gemacht werden könnte.

 

Das Projekt wurde bereits vor zwei Jahren ins Leben gerufen und blieb bisher weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit. Der Beschreibung von »Insect Allies« zufolge geht es um die Entwicklung „skalierbarer, leicht einsetzbarer und breit anwendbarer Gegenmaßnahmen für den Fall möglicher natürlicher und technisch erzeugter Bedrohungen für die Nahrungsversorgung“.

 

„Trotz vereinzelter Pressemitteilungen der DARPA und der am Programm beteiligten Konsortien gibt es bislang so gut wie keine öffentliche Diskussion über den Sinn und die möglichen Konsequenzen dieser Technik“, sagt Guy Reeves, einer der beteiligten Forscher, in einem Statement. „Selbst in Fachkreisen ist das Programm weitgehend unbekannt.“

 

In ihrer Publikation merken Reeves und seine Kollegen nun an, dass es keine plausiblen Gründe für den Einsatz von Insekten zur Verbreitung von Genmaterial gäbe. Sie haben die Befürchtung, die Forschungsergebnisse aus dem Projekt könnten recht leicht abgewandelt und dann für die biologische Kriegsführung angepasst werden.

 

„So könnten Gene beispielsweise funktionsuntüchtig gemacht werden – was in der Regel leichter ist als ihre Optimierung“, sagt Reeves, der am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön forscht. „Das Verfahren muss also nicht einmal weiterentwickelt werden, es reicht aus, es zu vereinfachen, um es als Waffe einsetzen können“.

 

Theoretisch könnten die Viren in den Insekten nicht nur dafür genutzt werden, um den Ertrag von Nutzpflanzen zu verbessern oder sie beispielsweise resistenter gegen Dürre zu machen, sondern auch für das exakte Gegenteil. Eingesetzt in böser Absicht, wie etwa um die Lebensmittelversorgung einer gesamten Nation zu vernichten, wirken Insekten vermutlich sehr viel effektiver als Spritzmittel.

 

Die Wissenschaftler argumentieren deshalb, bei dem Projekt könne es sich um eine Verletzung des Übereinkommens über das Verbot biologischer Waffen handeln. Es verbietet den über 180 Vertragstaaten unter allen Umständen die Entwicklung, Produktion oder den Erwerb von Agenzien und Toxinen von Arten und in Mengen, „die nicht durch Vorbeugungs-, Schutz- oder sonstige friedliche Zwecke gerechtfertigt sind“.

 

Darüber hinaus verbietet das Übereinkommen die Entwicklung oder Herstellung von „Waffen, Ausrüstungen oder Einsatzmittel, die für die Verwendung solcher Agenzien oder Toxine für feindselige Zwecke oder in einem bewaffneten Konflikt bestimmt sind“.

 

Den Forschern zufolge wecke das DARPA-Projekt den Verdacht, dass es nicht friedliche Zwecke zum Ziel hat. Allein das Potenzial für einen militärischen Einsatz könnte andere Länder dazu verleiten, selbst Biowaffen auf diesem Gebiet zu entwickeln.

 

 

Quelle: Lisa Schönhaar für Business Insider Deutschland

Foto: Gemeinfrei, Bearb. F. Calvo

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