02.05.2018

Erste Flache-Erde-Tagung in Großbritannien

Am vergangenen Wochenende versammelten sich Hunderte von Flache-Erde-Befürworter in einem Hotel in Birmingham zu einer Tagung.

 

Im Zeitalter von erdumkreisenden Satelliten, interplanetarer Raumfahrt sowie einer vollständig bemannten Raumstation sollte die Tatsache, dass die Erde rund ist, eigentlich unstrittig sein, doch es scheinen weltweit immer mehr Menschen davon überzeugt zu sein, dass unser Planet in Wahrheit flach wie eine Scheibe sei.

 

Rund 200 solcher Flache-Erde-Befürworter haben sich nun am Wochenende erstmals in Großbritannien getroffen, um sich auszutauschen. Unter den Gästen befanden sich auch ein Manager des staatlichen Gesundheitssystems (NHS) von Großbritannien und Nordirland sowie ein Sonderpädagoge. Die Tagung erstreckte sich über knapp drei Tage und wurde von mehreren Gastrednern besucht, die den vermeintlichen »Beweis« lieferten, dass unser Planet so flach wie ein Pfannkuchen ist.

 

David Marsh war einer von ihnen, er hatte 12 Monate damit verbracht, ein Experiment in seinem Garten durchzuführen, um die Bewegung des Mondes am Himmel zu verfolgen und so die geltenden Gesetze der Planetenbewegung zu widerlegen. Seine Ausrüstung: eine Handy-App und ein Fotoapparat. „Meine Forschungsergebnisse zerrütten die Kosmologie des Urknalls. Sie bekräftigen die Vorstellung, dass es keine Schwerkraft gibt und der Elektromagnetismus die einzig wahre Naturkraft ist", offenbarte er dem Sydney Morning Herald.

 

Der Veranstalter Gary John ist mit dem Verlauf der Veranstaltung sehr zufrieden, das Interesse an dem Thema sei in den letzten Jahren stark gestiegen. „Die Leute wachen auf", sagte er. „Wir sehen eine regelrechte Explosion des Interesses an der Flache-Erde-Theorie und ein zunehmendes Misstrauen gegenüber den Regierungen." Doch wenn die Erde flach ist, wie ist es möglich, dass ein Boot oder Flugzeug den Globus umrundet? Auch darauf hat Flache-Erde-Befürworter Darren Nesbit eine Antwort und nennt es den »Pac-Man-Effekt«. Es sei wie in dem Videospiel, argumentiert er, wenn man den »Rand« des Planeten erreicht hat, käme man automatisch auf der anderen Seite wieder raus.

 

Die Flache-Erde-Theorie kurz zusammengefasst

Die Anhänger dieser Theorie sind nämlich der Meinung, dass die Wissenschaftler uns belügen und die Erde in Wahrheit keine Kugel, sondern eine flache Scheibe sei, in deren Zentrum sich die Arktis und an ihrem Außenrand eine Art Eiswand (die Antarktis) befindet, die das Wasser am Abfließen hindert. Alle Fotos, die die Erde rund oder mit Erdkrümmung zeigen, sind ihrer Ansicht nach gefälscht. Auch zweifeln sie die Größe von Sonne und Mond an und behaupten, dass diese beiden Himmelskörper um die Erde kreisen würden. Und eine Schwerkraft gäbe es ebenfalls nicht, es seien lediglich die schnelle Aufwärtsbewegung unseres scheibenförmigen Planeten sowie seine unterschiedliche Dichte, die uns auf seiner Oberfläche halten.

 

Wenn man diese und andere Argumente der Flache-Erde-Befürworter liest, glaubt man im ersten Moment, dass es alles nur ein Spaß ist, doch weit gefehlt, denn hat man sich einmal mit ihnen persönlich unterhalten, stellt man sehr schnell fest, dass sie es sehr ernst meinen und völlig von dieser Theorie überzeugt sind. Allerdings sind sie bis heute nicht in der Lage gewesen, die nachfolgenden Fragen zu beantworten und weichen ihnen immer wieder aus:

 

Doch wenn die Erde tatsächlich flach ist ...

wie lässt sich dann der leuchtende Punkt der ISS erklären, der die Erde umkreist und je nach Beobachtungspunkt hinter dem Horizont verschwindet, aber von einem dahinter liegenden Beobachtungspunkt weiterhin verfolgt werden kann? Wenn der Leuchtpunkt nur projiziert sein sollte, wo steht der Projektor, und wo ist die Projektionsleinwand und warum sieht man bei Nebel oder Wolken den Projektionsstrahl oder -kegel nicht?

 

welche physikalischen Kräfte halten sie zusammen, wenn es doch keine Gravitationskräfte gibt?

 

wie können Sonne und Mond beide gleichzeitig in konstantem, gleich bleibendem Abstand zu uns bleiben, wo doch die Aufwärtsbewegungen der Erde nur lediglich ihre eigene Schwerkraft bewirken? Und wenn die unterschiedliche Dichte und nicht die Schwerkraft darüber entscheidet, welche Körper auf- und absteigen, wie können dann in einer Vakuumröhre zwei Gegenstände völlig unterschiedlicher Dichte mit gleicher Geschwindigkeit zu Boden fallen?

 

wie ist es möglich, dass unzählige Menschen bereits die Erde umrundet haben - sind das alles Schwindler?

 

wie können sechs Monate lange Polarnächte oder Polartage, Polarlichter oder Jahreszeiten entstehen, wenn es die Sonne ist, die um die Erde kreist? Und wie entstehen die durch den Mond erzeugten Gezeiten, wenn es keine Gravitation gibt?

 

wie kommt dann das Erdmagnetfeld zustande?

 

wie lässt es sich dann erklären, dass die Erde (nach ihrer Theorie) nur in der Mitte und am Rand von riesigen Eisflächen bedeckt ist?

 

wie kommt dann unser Vulkanismus zustande, wenn die Erde flach ist und keinen Kern besitzt?

 

Wo bleiben die Beweise der Flache-Erde-Befürworter?

Dies ist nur eine sehr kleine Auswahl von rund 60 Fragen, für die die Flache-Erde-Befürworter keine wissenschaftlich, nachprüfbare Erklärung liefern können - oder wollen. Auch ist es unverständlich, wieso bisher keiner von ihnen in ein Flugzeug gestiegen ist und beispielsweise diese Eisberge an den Rändern der Erdscheibe fotografiert, gefilmt oder sogar bestiegen hat, um den »Abgrund« dahinter zu dokumentieren. Es wäre sicherlich preiswerter und effektiver, um andere von ihrer Theorie zu überzeugen, als diese enorme Summen für Werbeflächen auszugeben.

 

© Fernando Calvo*, Foto: F. Calvo

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