08.05.2019

Flache-Erde-Konferenz nun auch in Neuseeland

Die Anhänger der absurden Flache-Erde-Verschwörungstheorie haben sich am vergangenen Wochenende in Neuseeland zu einer Tagung versammelt.

 

Im Zeitalter von erdumkreisenden Satelliten, interplanetarer Raumfahrt sowie einer vollständig bemannten Raumstation sollte die Tatsache, dass die Erde rund ist, eigentlich unstrittig sein, doch es scheinen weltweit immer mehr Menschen davon überzeugt zu sein, dass unser Planet in Wahrheit flach wie eine Scheibe sei. Entsprechend fand nun auch in Neuseeland die erste in Auckland »Flat Earth New Zealand Conference« statt, bei der sich eine Reihe prominenter Anhänger sowie Teilnehmer aus der ganzen Welt versammelten, um sich für ihre umstrittene Verschwörungstheorie einzusetzen.

 


 

Obwohl keine konkreten Besucherzahlen für die Veranstaltung vorliegen, beschreibt sie der Journalist Oskar Howell, der vor Ort über das Treffen auf seiner Webseite berichtet, dass die Veranstaltungsstätte voll mit Menschen gefüllt war, was darauf hindeutet, dass die Tagung, wie schon die vorherigen in Nordamerika und England (siehe hier), offenbar wieder ein voller Erfolg war.

 

Der Forscher Mark Sargent bemerkte gegenüber den Medien, dass sich neunzig Prozent der Flache-Erde-Anhänger mit ihrer Meinung verbergen und nannte die Expo einen Ort, an dem die Anhänger der Verschwörungstheorie frei über diese viel kritisierte Idee aussprechen konnten. Howell hingegen hatte als neutraler Außenstehender eher den Eindruck, dass dort eine sehr „angespannte, fast feindliche" Atmosphäre zu spüren war und sich die Teilnehmer scheinbar untereinander nicht ganz vertrauten. Offenbar aus Angst, dass sie trotz der vermeintlichen Umgebung Gleichgesinnter immer noch wegen ihrem Glauben verurteilt würden.

 

Obwohl Neuseeland ein ziemlich weit entfernter Ort für eine Flache-Erde-Konferenz ist, weist das Land tatsächlich eine steigende Anzahl von Interessenten auf, welche die Theorie unterstützen - allein die Facebook-Gruppe, die dieser Konferenz angegliedert ist, hat fast 2.000 Mitglieder.

 

Die Flache-Erde-Theorie kurz zusammengefasst

Die Anhänger dieser Theorie sind nämlich der Meinung, dass die Wissenschaftler uns belügen und die Erde in Wahrheit keine Kugel, sondern eine flache Scheibe sei, in deren Zentrum sich die Arktis und an ihrem Außenrand eine Art Eiswand (die Antarktis) befindet, die das Wasser am Abfließen hindert. Alle Fotos, die die Erde rund oder mit Erdkrümmung zeigen, sind ihrer Ansicht nach gefälscht. Auch zweifeln sie die Größe von Sonne und Mond an und behaupten, dass diese beiden Himmelskörper um die Erde kreisen würden. Und eine Schwerkraft gäbe es ebenfalls nicht, es seien lediglich die schnelle Aufwärtsbewegung unseres scheibenförmigen Planeten sowie seine unterschiedliche Dichte, die uns auf seiner Oberfläche halten.

 

Wenn man diese und andere Argumente der Flache-Erde-Befürworter liest, glaubt man im ersten Moment, dass es alles nur ein Spaß ist, doch weit gefehlt, denn hat man sich einmal mit ihnen persönlich unterhalten, stellt man sehr schnell fest, dass sie es sehr ernst meinen und völlig von dieser Theorie überzeugt sind. Allerdings sind sie bis heute nicht in der Lage gewesen, die nachfolgenden Fragen zu beantworten und weichen ihnen immer wieder aus.

 

Denn, wenn die Erde tatsächlich flach ist ...

● wie lässt sich dann der leuchtende Punkt der ISS erklären, der die Erde umkreist und je nach Beobachtungspunkt hinter dem Horizont verschwindet, aber von einem dahinterliegenden Beobachtungspunkt weiterhin verfolgt werden kann? Wenn der Leuchtpunkt nur projiziert sein sollte, wo steht der Projektor, und wo ist die Projektionsleinwand und warum sieht man bei Nebel oder Wolken den Projektionsstrahl oder -kegel nicht?

 

Welche physikalischen Kräfte halten sie zusammen, wenn es doch keine Gravitationskräfte gibt?

 

Wie können Sonne und Mond beide gleichzeitig in konstantem, gleichbleibendem Abstand zu uns bleiben, wo doch die Aufwärtsbewegungen der Erde nur lediglich ihre eigene Schwerkraft bewirken? Und wenn die unterschiedliche Dichte und nicht die Schwerkraft darüber entscheidet, welche Körper auf- und absteigen, wie können dann in einer Vakuumröhre zwei Gegenstände völlig unterschiedlicher Dichte mit gleicher Geschwindigkeit zu Boden fallen?

 

Wie ist es möglich, dass unzählige Menschen bereits die Erde umrundet haben - sind das alles Schwindler?

 

Wie können sechs Monate lange Polarnächte oder Polartage, Polarlichter oder Jahreszeiten entstehen, wenn es die Sonne ist, die um die Erde kreist? Und wie entstehen die durch den Mond erzeugten Gezeiten, wenn es keine Gravitation gibt?

 

Wie kommt dann das Erdmagnetfeld zustande?

 

Wie lässt es sich dann erklären, dass die Erde (nach ihrer Theorie) nur in der Mitte und am Rand von riesigen Eisflächen bedeckt ist?

 

Wie kommt dann unser Vulkanismus zustande, wenn die Erde flach ist und keinen Kern besitzt?

 

Wo bleiben die Beweise der Flache-Erde-Befürworter?

Dies ist nur eine sehr kleine Auswahl von rund 60 Fragen, für die die Flache-Erde-Befürworter keine wissenschaftlich, nachprüfbare Erklärung liefern können - oder wollen. Auch ist es unverständlich, wieso bisher keiner von ihnen in ein Flugzeug gestiegen ist und beispielsweise diese Eisberge an den Rändern der Erdscheibe fotografiert, gefilmt oder sogar bestiegen hat, um den »Abgrund« dahinter zu dokumentieren.

 

 

© Fernando Calvo*, Foto: Pixabay, CC0 Creative Commons

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