27.07.2019

Kuba: Gehirn-Anomalien bei Schallangriff-Opfern bestätigt

Nach einer neuen Untersuchung jener US-Diplomaten, die in Havanna von rätselhaften »Schallwaffen« attackiert worden sein sollen, konnten die Wissenschaftler signifikante Anomalien in ihren Gehirnen bestätigen.

 

Dieses mysteriöse Phänomen der »Schallwaffen« wurde erst im August 2017 von der US-Regierung als solches erkannt - ganze neun Monate nach dem ersten Vorfall (wir berichteten). Bisher gab es keine offizielle Erklärung dazu und obwohl bereits das FBI, die US-Nachrichtendienste sowie US-Geheimdienste ihre Ermittlungen aufgenommen haben, konnten sie keinerlei Hinweise darauf finden, was die Ursache oder die Quelle für diese rätselhaften Symptome sind.

Diese Schallwaffen-Angriffe sollen direkt in den Hotelzimmern der US-Diplomaten erfolgt sein und riefen eine Reihe von Symptomen hervor, darunter Hörverlust, Tinnitus, Schwindel, Gleichgewichtsprobleme, visuelle Beschwerden, Kopfschmerzen, Müdigkeit, kognitive Probleme sowie Schlafstörungen. Aus diesem Grund zog die US-Regierung Anfang Oktober vorerst 60 Prozent ihres Botschaftspersonals aus Kuba ab und forderte ihre Bürger auf, Reisen in das Land zu meiden, was die Beziehungen zwischen beiden Ländern deutlich verschlechterte.

 

Im Dezember 2017 bestätigten verschiedene US-Behörden schließlich, dass Ärzte bei einigen Opfer der Schallangriffe Veränderungen in jenen Abschnitten der Weißen Substanz (WS) entdeckt hätten, die dafür verantwortlich sind, dass verschiedene Teile des Gehirns miteinander kommunizieren können (wir berichteten). Im März 2018 behaupteten Informatiker von der University of Michigan wiederrum, dass sie die Quelle dieser quälenden Töne in der Kombination verschiedener Ultraschallquellen sehen (wir berichteten)

 

Nun haben Wissenschaftler der University of Pennsylvania die Betroffenen noch einmal untersucht und konnten bestätigen, dass die Gehirne der Opfer im Vergleich zu einer Kontrollgruppe „signifikante Unterschiede" aufweisen. Allerdings, ob diese Unterschiede direkt von diesen vermeintlichen »Angriffen« verursacht wurden oder nicht, bleibt weiterhin unklar. Bis jetzt wartet man darauf, dass die kubanische Regierung den Fall endlich abschließend aufklärt.

 

Dr. Mitchell Joseph Valdes-Sosa, Leiter des Cuban Neuroscience Center, hat inzwischen die US-Untersuchung eingeleitet und zugegeben, dass er hinsichtlich der verwendeten Methodik Bedenken hat. „Der beunruhigendste Aspekt ist der Versuch, diese Ergebnisse mit einem nicht spezifizierten »richtungsweisenden Phänomen« zu verknüpfen", sagte er der NBC News. „Die Forschungen in diesem Bereich wurden, von der Paranoia des Kalten Krieges angetrieben, geheim gehalten."

 

Das US-Außenministerium hat inzwischen erklärt, dass es die neuen Forschungen zur Kenntnis genommen hat und „die Diskussion der medizinischen Fachwelt über dieses unglaublich komplexe Thema begrüßt". „Die oberste Priorität des Ministeriums bleibt die Sicherheit und das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter", erklärt das Ministerium.

 

 

© Fernando Calvo*, Foto: U.S. Department of State

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