10.05.2016

»Jack the Signalman«

In einer Ausgabe des Wissenschaftsjournals »Nature« vom 24. Juli 1890 wurde eine Geschichte beschrieben, die von einem intelligenten Bärenpavian handelt, der offiziell von der Bahngesellschaft in Südafrika als Schrankenwärter eingestellt wurde.

 

James Wide hatte seine Beine bei einem Eisenbahnunfall verloren und im Jahre 1877 einen Job als Bahnwärter an der Uitenhage Station am Kap von Südafrika angenommen. Etwa 4 Jahre später beobachtete er, wie ein Bärenpavian einen Ochsenwagen lenkte und entschloss sich, dieses ungewöhnlich intelligente Tier deswegen zu kaufen. Wide taufte ihn auf den Namen Jack und seine Aufgabe sollte hauptsächlich sein, ihn in einem Wagen zu ziehen, damit er mobiler sein kann. Zusätzlich brachte er dem Affen aber auch noch bei, kleinere Dinge sowie die Gartenarbeit an der Bahnstation zu erledigen. Wide merkte schnell, dass der Pavian außergewöhnlich klug und besonders gelehrsam war.

 

Jack hatte innerhalb kürzester Zeit die Signale gelernt, mit denen die Lokführer akustisch aus der Ferne mit dem Bahnwärter kommunizieren. Die Anzahl der Pfeiftöne hatten unterschiedliche Bedeutungen. So bedeuteten beispielsweise vier Signaltöne, dass der Lokführer den Schlüssel für den Kohleschuppen benötigte und er musste sofort übergeben werden, wenn die Lok anhielt, um keine Zeit zu verlieren. Jack kannte auch die Bedeutung eines jeden Hebels und zuverlässig schob er sie gemäß des zuvor erhaltenen Signals in die entsprechende Position, sobald sich der Zug dem Bahnhof von Uitenhage näherte. Wide musste nur einen oder zwei Finger (als Zeichen an das Tier) zeigen und Jack machte sich auf den Weg, den richtigen Hebel zu bedienen.

 

Doch irgendwann benötigte Jack auch keine Anweisungen mehr von seinem Meister und er wusste eigenständig, wann welcher Hebel für jeden einzelnen Zug positioniert werden muss. Obwohl der Pavian dennoch immer nur unter den beauf-sichtigenden Augen von Wide tätig werden durfte, machte er niemals einen Fehler und musste auch nie zwei Mal aufgefordert werden, eine Aufgabe zu erledigen. Wide und Jack wurden mit der Zeit echte Freunde und sie lebten gemeinsam in einer Hütte, nur knapp einen Kilometer von der Eisenbahnstation entfernt. Jack zog täglich seinen menschlichen Partner auf seinem Wagen zur Arbeit bergauf sowie auf dem Rückweg vorsichtig bergab. So verwundert es nicht, dass der Pavian wegen seiner ungewöhnlichen Art sehr schnell populär wurde und zu einer der Sehenswürdigkeiten von Uitenhage wurde, der alle Menschen in Staunen versetze. Allerdings gab es auch Menschen, die es nicht guthießen, einem Affen eine derart verantwortungsvolle und wichtige Aufgabe zu übertragen – auch nicht unter der Aufsicht von seinem Besitzer. Eine einflussreiche Frau beschwerte sich deswegen bei der Eisenbahnbehörde und Wide wurde entlassen.

 

James Wide wendete sich flehend an seinen Vorgesetzten und bat ihn, die Fähigkeiten von Jack zu prüfen, damit er erkennt, dass niemals eine Gefahr bestand und der Pavian seine Arbeit gewissenhaft und korrekt ausführte. Und tatsächlich erhielt Jack die Chance, eine Prüfung als Schrankenwärter abzulegen, die er mit Bravour bestand. Wide erhielt seinen Job zurück und Jack einen offiziellen Vertrag bei der Bahngesellschaft, der ihn in die Geschichte eingehen ließ. Von da an wurde er unter den Spitznamen »Jack the Signalman« (Jack, der Bahnwärter) zu einer kleinen Berühmtheit. Insgesamt neun Jahre war er als Bahnwärter tätig, bis er schließlich im Jahr 1890 an Tuberkulose starb.

 

 

© Fernando Calvo

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